Depressive Verstimmungen im Kindes- und Jugendalter erkennen und aktiv angehen.
Roswitha Wurm
Die zwölfjährige Anna ist seit einiger Zeit unausgeglichen, leidet an heftigen Temperamentsausbrüchen und in unregelmässigen Abständen unter undefinierbaren Schmerzen in der Magengegend. «Sie kommt in die Pubertät, da ist so etwas ganz normal», lassen sich Annas Eltern nur zu gerne von wohlwollenden Ratgebern beschwichtigen.
Im Kindes- und Jugendalter äussern sich depressive Verstimmungen meist anders als bei Erwachsenen. Statt eines sozialen Rückzuges reagieren Kinder häufig wie Anna. Aufgrund dieses abweichenden Symptombildes werden Depressionen im Kindes- und Jugendalter oft nicht (rechtzeitig) erkannt. Depression ist noch immer ein Tabuthema. Auch in christlichen Kreisen wird darüber wenig gesprochen.
Vom Alter abhängig Die Unterscheidung zwischen einer depressiven Verstimmung und einer klinischen Depression ist wichtig und kann nur von einem Facharzt diagnostiziert werden. Gewisse Anzeichen können aber darauf hindeuten:
Bei Vorschulkindern können sich Depressionen durch eine erhöhte Ängstlichkeit, Aggressionsausbrüche – wie unkontrolliertes Schreien und Zuschlagen – und andere Verhaltensproblemen äus-sern. Häufig klagen betroffene Kinder über Bauchweh und Kopfschmerzen. Sie haben keinen oder übermässigen Appetit.
Ältere Kinder, ab dem Schulalter, zeigen sich zurückhaltend und oft sehr wenig selbstbewusst. Eine allgemeine Lustlosigkeit und mangelnde Lebensfreude bestimmen ihren Alltag. Häufig kommt es in diesen Lebensjahren auch zu einer Überlappung mit anderen Symptomen.
Depressiv gestimmte Jugendliche äus-sern ihre Lebensmüdigkeit nicht direkt. Allerdings sprechen sie über «die hoffnungslose Zukunft» und über «es hat doch ohnehin alles keinen Sinn, wozu soll ich mich anstrengen?».
Andere Kinder und Jugendliche reagieren wiederum mit hektischer Überaktivität, um sich nicht den Problemen des Alltags stellen bzw. nicht über die eigenen depressiven Stimmungen nachdenken zu müssen. Der Zusammenbruch ist dabei vorprogrammiert. Noch nie hat es so junge Burn-out-Patienten in solch einer grossen Zahl gegeben wie heute! Dieses Phänomen macht vor christlichen Gemeinden nicht halt.