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"Die Freiheit hat nicht viele Fans"

(22. Januar 2009/tl.) – Der Philosoph und Medienwissenschaftler Norbert Bolz beobachtet die Einschränkungen der Meinungsfreiheit in einem Klima der «Politischen Korrektheit» mit Sorge. Die überlegenen Antworten auf die wichtigen Fragen gebe der christliche Glaube.

factum: Finanzkrise, Familie, Staatsverständnis: In Ihren Äusserungen und Buchveröffentlichungen zu so verschiedenen Themen wird immer wieder deutlich, dass Sie die Verantwortlichkeit des Einzelnen vor die des Kollektivs, des Staates, setzen. Besteht heute besonders Anlass zu Staatsskeptizismus, zur Warnung vor neuen Kollektivismen?
Bolz: Ja. Die Sehnsucht nach dem starken Staat ist in Krisenzeiten immer sehr gross. Dabei übersehen die Leute im konkreten Fall der Bankenkrise, dass der Staat selbst hauptverantwortlicher Akteur war. Die Manager als Sündenböcke und der Staat als Retter – das ist eine sehr gefährliche Form des Populismus.

factum: Sehen Sie die individuellen Freiheitsrechte bedroht?
Bolz: Indirekt schon. «Regulierung» wird zum positiv besetzten Begriff. Es sieht dann so aus, als sei die Welt ein Chaos, in das nur der Staat Ordnung bringen könnte. Der «vorsorgende Sozialstaat» ist ja ohnehin überall auf dem Vormarsch und dringt als Regulierer und Betreuer in alle Lebensbereiche ein. Dass Politiker darüber glücklich sind, ist verständlich. Bedenklich ist nur, dass es – zumindest in Deutschland – kaum Widerstand dagegen gibt. Die Freiheit hat nicht viele Fans.

factum: Die Menschheit ist von einer Lösung ihrer alten Probleme – Krieg, Hunger, Ungerechtigkeit – ebenso weit entfernt wie in früherer Zeit. In Barack Obama scheinen sich die globalen Hoffnungen auf umfassenden «Change» zu bündeln. Wie beurteilen Sie das «Phänomen Obama» und das Bedürfnis, auf das er reagiert?
Bolz: Obama ist der Gute, Bush war der Böse. Ich finde es traurig, dass diese kindliche Schwarz-Weiss-Zeichnung weltweit zu überzeugen scheint. Mit ­Politik hat das nichts zu tun, sehr viel aber mit Religion. Obama ist nicht der politische Führer der einzigen Weltmacht, sondern der Messias der Unpolitischen. Mir haben die Hunderttausenden, die ihm in Berlin – in Berlin, nicht in Washington! – zujubelten, Angst gemacht.

Lesen Sie das ganze Interview in factum 01/2009.


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