Gaza: das „dichtest besiedelte Gebiet der Welt“?
(25. Februar 2009/tl.) – Wie verlässlich sind Fakten, die in den Medien berichtet werden? Oft ist Skepsis angebracht. Der Nahost-Korrespondent Johannes Gerloff hat für der Zeitschrift „ethos“ einmal eine Information nachgeprüft, die von praktisch allen Medien im Zusammenhang mit dem Konflikt im Gazastreifen berichtet wurde: Gaza sei das „am dichtesten besiedelte Gebiet der Erde“.
Mit dieser Information sollte illustriert werden, wie schlimm die Situation in Gaza ist. In der neuen Ausgabe der christlichen Zeitschrift ethos schreibt Johannes Gerloff: „Die Aussage, Gaza sei das am dichtesten besiedelt Fleckchen Erde, wird selbst von renommierten israelischen Journalisten bedenkenlos nachgeplappert. Dabei könnte jeder, der zuhause einen PC und einen Internetanschluss hat, per Google nachprüfen, dass im Gazastreifen zwischen 3820 und 4270 Personen pro Quadratkilometer wohnen. Es gibt nur Schätzungen über die Bevölkerung im Gazastreifen – obwohl der grösste Teil dieser Menschen von der UNO täglich mit Nahrungsmitteln versorgt wird.
Zum Vergleich: In Berlin leben 3750, in Warschau 4300, in Tokio 4750, in Moskau 4900, in London 5100, in Tel Aviv 7445, in Kalkutta 24000’ und in Mumbai 27209 Menschen pro Quadratkilometer.
Wenn man der höchsten Zahl von 4270 Personen pro Quadratkilometer Glauben schenken will, liegt der Gazastreifen auf Platz 54 der Bevölkerungsdichte weltweit. Solche medialen Puzzleteilchen lehren uns, dass wir mitdenken und weiterdenken sollen.“
Der Nahost-Korrespondent von ethos, der auch in factum veröffentlicht, beschreibt damit Eigenheiten unserer Medienlandschaft, die wir im täglichen Benützen von Zeitungen, Zeitschriften und vor allem Fernsehen berücksichtigen müssen. Wenn von interessierter Seite Informationen in Umlauf gebracht werden, dann dienen diese häufig einem bestimmten Zweck – etwa dem der Propaganda.
Solche Informationen werden, wenn sie erst einmal in Umlauf sind, von anderen Medien allzu oft ungeprüft übernommen und verfälschen somit die Wahrnehmung der Wirklichkeit in der Öffentlichkeit.
Als Mediennutzer kann man darauf am besten reagieren, indem man nicht nur die Meinungsbeiträge, sondern auch die Berichte in den Massenmedien mit Zurückhaltung und einer Portion Skepsis aufnimmt. Und man kann Medien nutzen, bei denen man begründet davon ausgehen kann, dass die Autoren tatsächlich um die Wahrheit bemüht sind und sich nach bestem Wissen und Gewissen dafür einsetzen, dass sie ein realistisches Bild vom Geschehen transportieren. Johannes Gerloff hat ein solches Verhalten exemplarisch demonstriert, indem er die Fakten, die ihm zweifelhaft erschienen sind, überprüfte, sie einer journalistischen Recherche unterzog.
Fehler sind auch bei sorgsam arbeitenden Medien nicht ausgeschlossen, aber sie werden seltener vorkommen. Vor allem werden es keine falschen Informationen sein, die sogar vorsätzlich in Umlauf gebracht werden. Das war in dem erwähnten Beispiel offensichtlich der Fall.
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