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Grüne verstärken Druck auf Seelsorge-Kongress

(17. April 2009/idea) – In den Streit um den Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge vom 20. bis 24. Mai in Marburg hat sich jetzt der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Volker Beck, eingeschaltet. Er fordert den Veranstalter, die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge, auf, die Seminare von drei Referenten abzusagen.

Der Politiker, der nach eigenen Angaben in einer schwulen Lebensgemeinschaft lebt, wirft den Referenten vor, Homosexuelle „umpolen“ zu wollen. Die drei Redner seien Vertreter der Organisationen „Wüstenstrom“ und „Offensive Junger Christen“, so Beck in einer am 16. April veröffentlichten Erklärung. Diese Referenten stellten Lesben und Schwule „als defizitär, krank, therapiebedürftig oder sündhaft dar“ und würdigten sie damit herab.

Beck wandte sich nach eigenen Angaben in Schreiben an den Vorsitzenden der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge, Chefarzt Martin Grabe (Oberursel bei Frankfurt am Main), die hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU), den Marburger Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD), den Präsidenten der Universität, Prof. Volker Nienhaus, und den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Hochschule, der sich ebenfalls gegen den Kongress wendet.

Stadt und Universität haben Räume an den Veranstalter vermietet. Becks Vorwürfe richten sich gegen die Ärztin Christl Vonholdt vom Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft (Reichelsheim/Odenwald), den Theologen Markus Hoffmann von der Lebensberatungsorganisation Wüstenstrom (Tamm bei Ludwigsburg) und den Psychologen Michael Gerlach (Heidelberg). Ihre Seminare tragen die Titel „Weibliche Identitätsbildung und mögliche Probleme“, „Reifung in der Identität als Mann und Frau“ sowie „Sexuelle Identitätskonflikte“. Insgesamt werden rund 120 Seminare angeboten.

Beck zufolge wäre es ein „handfester Skandal“, wenn die Seminare der „Homo-Umpoler“ trotz der öffentlichen Kritik stattfinden würden. „Der Ruf Marburgs als Universitätsstadt würde Schaden nehmen“, so der Politiker. Als Christ widere ihn „die pharisäerhafte Selbstgefälligkeit dieser Homoheilungsapologeten“ an. Zuvor hatten bereits die hessischen Grünen, der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland und ein Bündnis „Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus“ Stadt und Universität aufgefordert, sich von dem Kongress zu distanzieren bzw. keine Räume zur Verfügung zu stellen.

Die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge hatte in einer Erklärung vom 9. April Versuche zurückgewiesen, „uns als Organisation darzustellen, die homosexuellenfeindliche Angebote unterstützt“. Fragen zum Umgang mit Homosexualität würden auf dem Kongress, zu dem die Veranstalter rund 1.000 Teilnehmer erwarten, „allenfalls marginal thematisiert“.

Beck erklärte dazu, er wolle gern glauben, dass die Tagung nicht auf die Umpolung von Homosexuellen ausgerichtet sei. „Aber solange diese Personen nicht ausgeladen werden, lässt sich der Veranstalter mit diesen Positionen identifizieren.“ Beck hatte bereits im Vorfeld des Jugendkongresses Christival im vergangenen Frühjahr gegen ein geplantes Seminar „Homosexualität verstehen – Chance zur Veränderung“ interveniert. Es wurde daraufhin abgesagt.



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