Christen im Iran: Verfolgung, Haft, Folter, Flucht
(07. Juli 2009/fa.) – Christen sind im Iran in einer dramatischen Weise bedrängt. Das Schicksal der meisten von ihnen ist in einem Land der totalen Kontrolle unbekannt. Die christliche Hilfsorganisation Open Doors berichtet jetzt von einem Ehepaar, dem die Flucht gelang.
Tina Rad (28) und Makan Arya (31) und ihre 5-jährigen Tochter Odzhan gelang die Flucht aus dem Iran. Tina und Makan stammen aus streng muslimischen Familien. Ein Freund schenkte der Muslima eine Bibel. Sie hielt sie für verfälscht und Christen für unrein. Dennoch begann sie, darin zu lesen.
Tina erzählt, dass Jesus ihr in einem Traum sagte, zu einer bestimmten Kirche zu gehen. Als sie das tat, war die Kirche jedoch gerade für einige Tage geschlossen. Doch ein Mitglied dieser Kirche hatte einen ähnlichen Traum. Als die Frau an diesem Tag vor der Kirche auf Tina traf, wusste sie, warum Jesus sie zur Kirche schickte.
Im Iran ist es traditionellen, anerkannten Kirchen verboten, Muslimen das Evangelium weiterzugeben. Daher ist man zurückhaltend, wenn ein Muslim Interesse am Christentum zeigt. Besonders ehemalige Muslime werden in der Islamischen Republik verfolgt. Doch die Frau half Tina, eine Hausgemeinde zu finden. Dort konnte sie sich mit anderen ehemaligen Muslimen treffen. Tina entschied sich, Christ zu werden.
Zunächst verheimlichte sie das vor ihrem Mann. Er hätte sie verstossen und ihr die Tochter wegnehmen können. Heimlich ging sie zu einer Hausgemeinde. Nach einigen Monaten bemerkte Makan, wie positiv sich Tina verändert hat. Also erzählte Tina ihm von Jesus. Später wurde auch Makan Christ. Vor ihren Eltern verheimlichten beide ihren neuen Glauben. Eines Tages fanden Makans Verwandte eine Bibel in seinem Haus und berichteten der Polizei davon.
Drei Monate nach ihrer Konversion wurden sie im Juni vorigen Jahres verhaftet. Die Beamten setzten sie bei Verhören unter Druck, befragten sie nach Kontakten zu anderen Christen, demütigten und misshandelten sie. Tina wurde so heftig geschlagen, dass sie nicht mehr gehen konnte. Tina Rad und Makan Arya werden Aktivitäten gegen den Islam und gegen die nationale Sicherheit vorgeworfen.
Sie trafen sich in ihrem Haus regelmässig zu Bibelstudien mit anderen Muslimen und besuchen eine Hausgemeinde. Beamte drohten im Fall einer Fortführung der Gemeindebesuche und der Bibelstudien, ihre Tochter „in eine geschützte religiöse (islamische) Einrichtung" zu geben. Eine Polizeibeamtin drohte Tina Rad mit einer Apostasieanklage, sollte sie nicht „mit ihrem Jesus aufhören“. Sogar eine Anklage wegen Drogenhandels wurde angedroht.
Das Paar musste umgerechnet fast 35.800 Euro für seine Freilassung zahlen und ein Dokument unterzeichnen, mit dem sie erklären, keine Hausgemeinde mehr zu besuchen und jeglichen Kontakt zu Christen abzubrechen.
Das Paar erhielt nach seiner Freilassung wiederholt anonyme Anrufe und fürchtete um seine Sicherheit. Behörden, Nachbarn und Familienangehörige überwachten bzw. beobachteten die Beiden. Nachdem die Polizei in ihrer Abwesenheit erneut ihr Haus durchsuchte, tauchte die Familie unter. Fast ein Jahre lang lebten sie im Untergrund. Tina und ihre Tochter blieben im Haus, während Makan arbeitete.
Erneute Verfolgung, Verhöre, Folter schwebten wie ein Damoklesschwert über ihrem Leben. Sie waren nicht sicher im Iran. Vor wenigen Wochen nun verliessen sie ihre Heimat. Sie leben in einem Flüchtlingslager. Dort warten sie auf den Ausgang des Asylverfahrens. Wird ihr Antrag abgelehnt, müssen sie zurück in den Iran.
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