Empörung: Bundesverdienstkreuz für Felicia Langer
(20. Juli 2009/inn.) – Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an die israelische Rechtsanwältin Felicia Langer, 79, hat in Israel Empörung ausgelöst. Langer, 1990 nach Deutschland ausgewandert, zähle zu den "giftigsten Kritikern Israels", heisst es in einem Bericht der "Jerusalem Post".
Die in Tübingen lebende Anwältin vergleiche Israel mit dem Apartheid-Regime Südafrikas und habe die antisemitische Rede des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad in Genf gelobt, schreibt die israelische Tageszeitung. Dessen Ankündigung, Israel "von den Seiten der Geschichte auszulöschen", bedeute keine Vernichtung Israels. In einem Gespräch mit der "Jerusalem Post" bestätigte Langer, dass sie israelische Regierungsbeamte für "Kriegsverbrecher" halte, die vom internationalen Gerichtshof in Den Haag abgeurteilt werden sollten.
Dieter Graumann, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, bezeichnete Langer nach Angaben der Zeitung als einen "militante und fanatische Israel-Hasserin". Erstmals würden "aggressive verbale Attacken gegen den jüdischen Staat von der Bundesrepublik gewürdigt", habe Grauman per Email der "Jerusalem Post" geschrieben.
Gegen Kritik an Israels Politik sei nichts einzuwenden, und man höre sie am lautesten in Israel selbst, meinte Graumann. "Aber Frau Langer ist bekannt für ihren böswilligen, militanten Hass auf Israel, der (in Deutschland) nur deshalb beachtet wird, weil sie selber Jüdin ist und ihre Holocaustvergangenheit betont", schrieb Graumann weiter. Nachdem Langer erst vor einigen Monaten die pro-israelische Haltung von Bundeskanzlerin Angela Merkel als "skandalös" kritisiert hatte, sei sie jetzt plötzlich des Bundesverdienstkreuzes würdig. Das sei ein "fatales Signal und legitimiere ihre einseitige Hetze gegen Israel", zitiert die Zeitung aus der Stellungnahme Graumanns.
Peter Weidner, Oberösterreichischer Landesvorsitzender des Bundes Freiheitskämpfer, Opfer des Faschismus und aktiver Antifaschisten (Linz), hat nach Angaben der Zeitung berichtet, dass Langer in Linz die Wahl der Hamas im Januar 2006 als die "freiesten demokratischen Wahlen im Nahen Osten jemals" beschrieben habe. Eine pauschale Bezeichnung der israelischen Politik als "rassistisch" und eine Entlegitimierung Israels entspricht gemäss EU Richtlinien der Antisemitismus-Definition, schreibt die "Jerusalem Post".
"Mit Schmerz habe ich die Nachricht von der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Felicia Langer gehört. Das ist eine Schande für die Bundesrepublik." Mit diesen Worten reagierte der 74 Jahre alte israelische Reiseführer Motke Schomrat auf die Auszeichnung. Er will sich in den nächsten Tagen zur deutschen Botschaft in Tel Aviv begeben und aus Protest sein Bundesverdienstkreuz zurückgeben. Damit sein Protest auch öffentlich wahrgenommen werde und "die Sekretärin den Orden und die Urkunde nicht einfach in den Papierkorb wirft", wandte sich Schomrat an einen bekannten Journalisten der Zeitung "Ma´ariv", um die Rückgabe seines Verdienstkreuzes zu dokumentieren.
Er hatte es 1995 für seine "Verdienste für die Versöhnung zwischen dem jüdischen und deutschen Volk" vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog verliehen bekommen. "Es ist mir unbegreifbar, dass die Bundesrepublik sich von ihrer Nazi Vergangenheit befreien will und gleichzeitig eine Jüdin auszeichnet, die den heutigen neuen Hitler (Ahmadinedschad) stützt, der zur Vernichtung des Staates Israel aufruft", heisst es in einem Brief an einen Bekannten in Deutschland.
Motke Schomrat stammt aus Köln, in einem Kloster nahe dem belgischen Ort Dimant und später im KZ Mechlen in Belgien überlebte er den Krieg. Sein Vater starb im KZ Dachau am Tag der Befreiung. Schomrat ist stolz darauf, unzählige Male Erwin Teufel, den früheren Ministerpräsidenten von Baden-Würtemberg, durch Israel geführt zu haben.
Jetzt aber sagt er am Telefon: "Ich will nicht in einem Boot mit dieser Anwältin Felicia Langer sitzen. Wir werden nicht und nie verschwinden. Wir haben Hitler überlebt, auch den Arafat, und genau so werden wir Ahmadinedschad und Felicia Langer überleben." Schomrat ist bis heute als Reiseführer für deutsche Gruppen tätig.
Der Artikel von Benjamin Weinthal in der Online-Ausgabe der "Jerusalem Post" hat mehr Reaktionen erhalten als jeder andere Bericht am vergangenen Samstag. Für "hasserfüllte Hetzer gegen Israel", so Marlene aus Frankreich, gebe es einen heissen Ort im Nachleben: die Hölle. Nicht die Gegner Israels entlegitimierten Israel heute auf der ganzen Front, so ein anderer Leserbriefschreiber, sondern Juden wie Frau Langer und Organisationen wie "Frieden Jetzt" und "Schweigen brechen." Ein Kritiker meint, dass "Nazis stets selbst-hassende Juden für ihre Zwecke benutzt hätten, um Israel zu schwächen".
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