Türkei: Christen sind weiter unter Druck
(13. November 2009/tl.) – Christen sind in der Türkei unter Druck. Gegen zwei Christen aus der Stadt Silivri läuft ein Prozess. Ihnen wird vorgeworfen, den Islam beleidigt zu haben. Die EU kritisiert, dass die Religionsfreiheit in der Türkei nicht verwirklicht ist.
Die Organisation Open Doors, die sich für verfolgte Christen einsetzt, berichtet von den türkischen Christen Hakan Tastan und Turan Topal, die im Oktober 2006 festgenommen wurden. Nach zweitägigen Ermittlungen klagte man sie an, das Türkentum und den Islam beleidigt zu haben.
Sie hatten in der Stadt Silivri, 72 km westlich von Istanbul, mit drei jungen Männern über ihren Glauben gesprochen. In einer Verhandlung am 15. Oktober sagten die Zeugen der Anklage – alle Angestellte diverser Gerichtsabteilungen in Istanbul – sie würden die beiden Angeklagten nicht kennen. Der Verteidiger Haydar Polat nannte den Prozess „einen Skandal“. Es sei „ein geplanter, aber nicht erfolgreicher Komplott gegen seine Mandanten, da es keine Beweise gibt.“
Jetzt hat das Gericht für die nächste Anhörung am 28. Januar 2010 nochmals drei weitere Zeugen der Anklage vorgeladen. Bei diesen Zeugen handelt es sich um eine in der Istanbuler Zentrale der Geheimpolizei angestellte Frau und zwei Angehörige der Streitkräfte. Es ist auffallend, dass bei Prozessen gegen Christen in der Türkei die Zeugen der Anklage häufig Staatsbedienstete sind.
Im Fortschrittsbericht der EU für die Türkei vom 14. Oktober 2009 heisst es: „Missionare werden weithin als Bedrohung für die Integrität des Landes und die muslimische Religion wahrgenommen. Weitere Bemühungen sind nötig, um ein Umfeld zu schaffen, das besonders der vollen Respektierung der Religionsfreiheit dienlich ist.“
Laut türkischer Verfassung geniessen alle Bürger der Türkei Religionsfreiheit. Von den 74 Millionen Einwohnern der Türkei sind 99 Prozent Muslime. Christen bilden eine Minderheit von 0,17 Prozent. Der Islam gilt als wichtigstes Element der türkischen Identität. Christlichen Missionaren wird unterstellt, wie Staatsfeinde gegen die nationale Einheit in der Türkei zu arbeiten.
Open Doors ruft zum Gebet für die in der Türkei drangsalierten Christen auf. Die Türkei ist ein Schwerpunktland der dreijährigen Gebetskampagne „Gefährlicher Glaube“.
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