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EKD-Vorsitzende tritt zurück
(24. Februar 2010/idea) – Margot Kässmann ist von ihren Ämtern als EKD-Ratsvorsitzende und hannoversche Landesbischöfin zurückgetreten. Nach ihrer Trunkenheitsfahrt vom 20. Februar seien das Amt und ihre Autorität als Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzende beschädigt, sagte die 51-jährige Theologin am 24. Februar im EKD-Kirchenamt in Hannover.
Frau Kässmann sagte: „Die Freiheit, ethische und politische Herausforderungen zu benennen und zu beurteilen, hätte ich in Zukunft nicht mehr so, wie ich sie hatte.“ Die harsche Kritik etwa an dem Zitat aus ihrer Neujahrspredigt „Nichts ist gut in Afghanistan“ sei nur durchzuhalten, „wenn persönliche Überzeugungskraft uneingeschränkt anerkannt wird“.
Bei ihrer Entscheidung zum Rücktritt sei es ihr auch um Respekt und Achtung vor sich selbst und ihrer Geradlinigkeit gegangen. Sie sei mehr als zehn Jahre „mit Leib und Seele“ Landesbischöfin gewesen und habe alle ihre Kraft in diese Aufgabe gegeben. Sie bleibe Pastorin der hannoverschen Landeskirche. Diese bedauerte den Rücktritt und zollte Kässmann Respekt. Sie habe die Kirche in wichtigen Arbeitsfeldern entscheidend vorangebracht. Ihr unbedingtes Anliegen sei gewesen, „mit dem Evangelium mitten in der Welt präsent zu sein“.
Der stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende, der rheinische Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), und die Präses der EKD-Synode, Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) nahmen gemeinsam zu Kässmanns Rücktritt Stellung. Dieser sei ein schwerer Verlust für den deutschen Protestantismus. Zugleich entspreche der Schritt der Geradlinigkeit Kässmanns. Ein christlicher Umgang mit einem schlimmen Fehler sei vom Wissen um die eigene menschliche Fehlerhaftigkeit und Vergebungsbedürftigkeit getragen. Kässmann habe ihren Fehler sofort eingestanden und sei „eine glaubwürdige Zeugin für ein Leben aus der Vergebung Gottes“. Schneider wird zunächst die Amtsgeschäfte als EKD-Ratsvorsitzender übernehmen. Das Gremium kommt am 26. und 27. Februar in Tutzing bei München zusammen.
Kässmann hatte am späten Abend des 20. Februars in Hannover eine rote Ampel missachtet und war von der Polizei überprüft worden. Die Blutprobe ergab einen Alkoholpegel von 1,54 Promille. Sie musste ihren Führerschein abgeben, weil sie fahruntüchtig war. Ihr droht ein Strafverfahren mit einer Geldstrafe oder Gefängnis von bis zu einem Jahr. Kässmann zeigte sich reumütig: „Ich bin tief erschrocken, dass ich so einen schlimmen Fehler gemacht habe. Mir ist bewusst, wie gefährlich und unverantwortlich Alkohol am Steuer ist.“ Den rechtlichen Konsequenzen werde sie sich stellen.
Kässmann stand seit 1999 an der Spitze der mit knapp drei Millionen Mitgliedern grössten deutschen Landeskirche. Ende Oktober wurde sie als Nachfolgerin von Bischof i.R. Wolfgang Huber (Berlin) zur Vorsitzenden des Rates der EKD gewählt. Das 14-köpfige Leitungsgremium repräsentiert 24,5 Millionen landeskirchliche Protestanten.
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