Irak: Exodus aus Mosul
(11. März 2011/fa.) - Das auf Jahrtausende zurückblickende Christentum in der nordirakischen Stadt Mosul steht vor seinem Ende. Nach einer erneuten Mordserie flüchteten in den letzten Wochen über 700 christliche Familien aus Mosul, noch etwa 300 verbleiben. Die Zahl ging im letzten Jahrzehnt massiv zurück; um das Jahr 2000 lebten etwa 13'000 christliche Familien in dieser Stadt.
Wie die Organisation Open Doors mitteilt, ist das Christentum im Nordirak kurz vor dem Aussterben. Die meist orthodoxen oder katholischen Christen seien zu einer mikroskopischen Minderheit geschrumpft, deren womöglich finaler Exodus in diesen Tagen geschehe.
Mit grosser Besorgnis hat Open Doors den UN-Bericht der OCHA zur Kenntnis genommen, laut welchem alleine in der letzten Februarwoche rund 700 christliche Familien aus Mosul geflohen sind. Gemäss diesem Bericht sind zuletzt von nicht identifizierten Gruppen mindestens zwölf Christen ermordet worden.
Emanuel Youkhana, Vertreter der östlichen Assyrischen Kirche, bestätigte, dass mittlerweile 774 christliche Familien aus der Stadt geflohen sind. Der Irak-Koordinator von Open Doors, der anonym bleiben will, schilderte, dass viele Familien in die Niniveebene geflüchtet sind: „Einige finden eine Bleibe bei ihren Verwandten, die meisten aber leben in Waisenhäusern, Klöstern und Zelten.“ Die Zelte seien bereits bei früheren Flüchtlingswellen eingesetzt worden. „In den Nächten ist es zwischen fünf und zehn Grad kalt, wir brauchen Decken.“ Regenfälle verschärfen die schwierige Lage. Der Priester (er will ebenfalls anonym bleiben) der niniveischen Stadt Qaraqosh sagte: „In den letzten paar Tagen kamen täglich zwanzig bis dreissig Familien. Sie hatten Nichts ausser den Kleidern, die sie trugen. Sie hatten Mosul schnell verlassen.“ Die Familien fliehen nicht nur in die umliegenden Städte, sondern auch in die autonome kurdische Region.
zurück
|