Noahs Arche gefunden?
(28. April 2010/rh.) – Noch immer liefert die Arche Noahs Schlagzeilen. Die Boulevardpresse meldet den Fund der Arche auf dem Berg Ararat. Sensation oder Betrug? Noch ist zu vieles unklar.
Chinesische und türkische Forscher wollen auf dem Berg Ararat die Überreste der Arche Noah gefunden haben. Den Fundort gaben sie nicht bekannt, zeigten aber Fotos und Videos.
Die Arche liege auf rund 4000 Meter Höhe. Die entdeckte Holzkonstruktion sei in mehrere Abteile unterteilt. «Es ist zwar nicht zu 100 Prozent die Arche Noah, aber zu 99,9 Prozent sind wir uns sicher», sagte Yeung Wing-Cheung, Mitglied des 15-köpfigen Teams. Beweisen soll dies eine Radiokohlenstoffdatierung des Zypressenholzes.
Dass es sich beim gefundenen Objekt um blosse Überreste früherer Zivilisationen am Berg Ararat handeln könnte, weisen die Entdecker zurück. Man habe solche Spuren noch nie über 3500 Meter Höhe gefunden. Lokale türkische Behörden wollen sich nun dafür einsetzen, dass die Unesco den Ort zum Weltkulturerbe erklärt.
Zu schön, um wahr zu sein? Wie der deutsche Archeforscher Timo Roller auf Anfrage von „factum“ sagte, seien die gelieferten Bilder wenig aussagekräftig. Er könne sich nicht vorstellen, dass unter Gletschereis, die Arche so gut erhalten geblieben sein kann. Er sei skeptisch, aber es gelte jetzt zuerst einmal die kommenden Untersuchungen abzuwarten. Roller selbst vermutet die Arche nicht auf dem Berg Ararat, sondern dem Berg Cudi.
Allerdings, so räumte Roller gegenüber "factum" ein, würde er einen Irrtum in Kauf nehmen, wenn tatsächlich die echte Arche gefunden worden wäre. "Dann hätten wir sozusagen einen handfesten Beweis für die Wahrheit der Bibel", sagte der Google-Earth-Experte. Allerdings halte er die Argumente für den Arche-Landeplatz auf dem Berg Cudi für so stark, dass er sich einen Fund auf dem Ararat nicht vorstellen könne.
Auch andere Kenner hegen Zweifel am Bericht der NAMI-Expedition. So zeigen erste Fotos "Schiffsräume", die mit Spinnennetzen verhangen sind. Leben auf 4000 Meter Höhe im Gletschereis Spinnen? Einiges spricht dafür, dass das gutgläubige chinesische Team entweder selbst an einer Augenwischerei beteiligt ist oder dann Opfer wurde der türkischen Bergführer.
Der amerikanische Archäologe Randall Price, der selbst schon am Ararat suchte und auch für dieses Jahr eine Arche-Expedition plant, meinte deshalb mit Nachdruck, das chinesisch-türkische Team jetzt seine Fund für vergleichende, wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung stellen müsse. Aussagen darüber könnten erst dann gemacht werden, wenn unabhängige Expertisen der Funde und der Fundstelle vorliegen.
Die Zeitung „Hürriyet“ zitierte Vertreter der türkischen Ararat-Provinz Agri mit den Worten, es gebe keine neuen Entwicklungen in Sachen Arche und bestätigte die Pressemeldungen nicht.
Organisiert wurde die Ararat-Expedition vergangenen Oktober von Mitgliedern der "Noah's Ark Ministries International“ (NAMI) aus Hongkong. Der genaue Fundort geheim gehalten. Angeblich solange, bis die türkischen Behörden das Gebiet für Ausgrabungen abgesichert haben.
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