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Die missbrauchte Gesellschaft

(19. Oktober 2010/tl.) – Der massenhafte sexuelle Missbrauch in reformpädagogischen Schulen etablierte sich dank einer Gesinnungsethik, die im Geist der 68er gründet. Freiheit wurde ersetzt durch Libertinage.

Verschiedene Formen von sexueller Gewalt sind heute offenbar so verbreitet, dass es schwer fällt, von einem kriminellen Randphänomen zu sprechen, wie das nun einmal zu allen Zeiten und in jeder Gesellschaft – und so auch in unserer Zeit und dieser Gesellschaft – vorkommt. In einer aktuellen Umfrage gaben dreizehn Prozent der befragten 13- bis 17-Jährigen an, bereits mit sexueller Gewalt konfrontiert gewesen zu sein. Auch jemand, der alle Illusionen über den moralischen Zustand der Gesellschaft längst hinter sich gelassen hat, kann nur noch blank entsetzt sein. Wenn das mehr als Fälle von individuellem Vergehen, individueller Schuld sind: Was sagt das über unsere Gesellschaft aus?

Soweit bis heute bekannt, wurden nirgends Kinder und Jugendliche so systematisch und exzessiv sexuell missbraucht wie in dem Internat «Odenwaldschule» im hessischen Heppenheim, dem linkslibertären Vorzeigeprojekt der Reformschulbewegung. Die verschiedenen Leiter dieser Schule, die auch UNESCO-Modellschule ist, vor allem der langjährige Schulleiter Gerold Becker, waren Gallionsfiguren der «fortschrittlichen» Reformschulbewegung, die Stars einer modernen Pädagogik. Sie füllten die grössten Vortragssäle, verbreiteten ihre Vorstellungen in Büchern, Fachblättern, Interviews.

All das berechtigt zu der Fragestellung, ob die libertäre Einstellung zur Sexualität, die mit der 68er-Bewegung zum gesellschaftlichen Mainstream wurde, mit dieser verheerenden gesellschaftlichen Entwicklung und konkret mit den Vorgängen an der Odenwaldschule zu tun hat.

Die Freiheit des Menschen und seine Würde gründet, aus christlicher Sicht, in seiner Gottesebenbildlichkeit. Aus Sicht der 68er erlangt der Mensch seine Würde hingegen dadurch, dass er seine Wünsche und Emotionen, Triebe und Begierden bejaht und sie «repressionsfrei» möglichst unbegrenzt auslebt – dass er sich erfolgreich «selbst verwirklicht». Die Freiheit des Menschen entstehe da, wo es ihm gelingt, sich ebenso über Konventionen wie die Stimme des Gewissens – die doch nur den gesellschaftlichen Repressionsdruck abbilde – zu überheben. Ausdrücklich einbezogen in dieses egozentrierte Menschenbild waren und sind die Kinder.

Lesen Sie den ganzen Beitrag in factum 7/2010.


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