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Was die Naturwissenschaft überfordert
(02. Dezember 2010/idea) – Nicht alle Lebensbereiche lassen sich naturwissenschaftlich erforschen. Bei Fragen der Ästhetik, Religion und Ethik ist die Wissenschaft überfordert. Diese Ansicht vertrat der Leiter des Instituts für Glaube und Wissenschaft der SMD (Studentenmission in Deutschland), der Althistoriker Jürgen Spieß (Marburg), auf der Jahrestagung der Deutschen Evangelistenkonferenz.
Die Konferenz befasste sich mit dem Thema „Moderner Atheismus und christliche Apologetik“. Dr. Jürgen Spieß zufolge sind die Naturwissenschaften nur einer von mehreren Zugängen zur Wirklichkeit. So sei es zwar möglich, eine Sinfonie von Beethoven als Luftdruckkurve darzustellen oder ein Gemälde auf seine chemische Zusammensetzung hin zu analysieren. Damit liessen sich jedoch keine Aussagen über die Schönheit eines Kunstwerks machen. Auch lasse sich die Liebe zwischen zwei Menschen zwar als Zusammenspiel von Hormonen und Neuronen darstellen. Jedoch nehme kein Mensch eine chemische Analyse seines Partners vor, bevor er heirate.
Die Naturwissenschaften hätten notwendigerweise ein eingeschränktes Wirklichkeitsverständnis. Wie bei ästhetischen Fragen könnten sie auch bei religiösen Fragen keine Antworten liefern. So könne man über Gott nur dann Aussagen treffen, wenn dieser sich selbst offenbare. Aufgabe der Naturwissenschaften sei es, Phänomene zu beschreiben, etwa die Kernspaltung. Sie können jedoch keine ethischen Aussagen treffen, etwa ob man ein Atomkraftwerk bauen soll.
Spieß zufolge bieten Glaube und Wissenschaft unterschiedliche Zugänge zur Wirklichkeit, die einander ergänzen. Es sei eine Grenzüberschreitung, wenn atheistische Wissenschaftler meinten, die Existenz Gottes ausschliessen zu können.
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