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Brücken bauen zu den Aussteigern

(22. Februar 2011/rh.) – Mehr als in früheren Generationen verlassen 20- bis 30-Jährige ihre christliche Gemeinde und ihren Glauben.

Warum wenden sich manche Christen vom Glauben ab? Der amerikanische Publizist Drew Dyck suchte nach Antworten. Dazu interviewte er rund 100 Betroffene. Sie sind alle christlich aufgewachsen, haben dann aber als junge Erwachsene die Gemeinde und den Glauben verlassen. In seinem Buch «Generation Ex-Christian» (Generation Ex-Christen) unterscheidet Dyck mehrere Kategorien:
  • Die «Zurückgeschreckten»: Dazu gehören Menschen, die in jungen Jahren schmerzhafte Erfahrungen in Familie oder Gemeinde gemacht haben. Zum Beispiel fühlten sie sich geistlichem Missbrauch oder übergrossem Druck ausgesetzt. Die Folgen können einen Menschen ein Leben lang verfolgen, schreibt Dyck in «Christianity Today». Meist scheuen sich die Betroffenen, über ihre Erfahrungen zu sprechen.
  • Die «Neuheiden»: Diese Gruppe hat sich einer nicht-christlichen Religion zugewandt. In den USA zieht vor allem der Wicca-Kult junge Menschen an. Der Hexen-Kult Wicca ist die am schnellsten wachsende Religion in den Vereinigten Staaten.
  • Die «Herumtreiber»: Das sind Ex-Christen, deren Glaube nie tief verwurzelt war und die sich allmählich wieder ganz davon lösten.
  • Die «Rebellen»: Sie lehnen sich gegen den Glauben der Kindheit auf. Die Gründe für diese Entwicklung bezeichnet Dyck als komplex. Es habe viel mit unserer Kultur zu tun. Er mahnt Eltern und Gemeinden, von geliebten Menschen, die weggezogen sind, sich nicht im Kummer gehen zu lassen, sondern die von den Abgängern geäusserten Zweifel ernst zu nehmen und darüber zu sprechen. Viele der interviewten «Abgefallenen» sagten nämlich, man habe ihre Bedenken und Fragen mit wenig hilfreichen Antworten abgeschmettert.

Diese Unterscheidung in Kategorien ist nur ein Hilfskonstrukt. Es gibt Menschen, bei denen mehrere Punkte sich mischen.

Es brauche in den Gemeinden Gebet und bedachtes Engagement, um dem einsetzenden Trend des Weggangs junger Erwachsener zu begegnen, sagt Dyck. Altersgemässe Gemeindeprogramme «mit Pizza und Videogames oder Sucher-zentrierte Gottesdienste» seien nicht falsch. «Aber», so Drew Dyck, «dies alles vermag ernsthafte Lehr- und Jüngerschaftskurse nicht zu ersetzen.»

Es gelte, Beziehungen zu den Aussteigern aufzubauen. Das heisse, deren Skepsis als das wahrzunehmen, was sie in der Regel ist: Ausdruck missbrauchter geistiger Sehnsucht. Und dann, so Dyck, «wenn wir lange und intensiv ihren Geschichten zugehört haben und so Brücken des Vertrauens bauten, dann werden wir in der Lage sein, ihnen den Weg zurück nach Hause zu beleuchten.» Ganz so, wie es Hermann Bezzel ausdrückte: «Der Schlüssel zum Herzen der Menschen wird nie unsere Klugheit, sondern immer unsere Liebe sein.»



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