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Islam-Institut besorgt über Entwicklung in Ägypten

(08. Februar 2011/idea) – Die Entwicklung nach dem Machtwechsel in Ägypten verfolgt das Institut für Islamfragen der Deutschen Evangelischen Allianz mit Sorge.

Ein Chefideologe der radikal-islamischen Muslimbrüder, Yusuf al-Qaradawi, ist nach 30 Jahren Predigtverbot aus dem Exil im Emirat Katar nach Kairo zurückgekehrt und hat erstmals Ende Februar das Freitagsgebet auf dem Tahrir-Platz geleitet. Die Leiterin des Islam-Instituts, Prof. Christine Schirrmacher, hält dies für ein „besorgniserregendes Signal“.

Al-Qaradawi habe ein gebrochenes Verhältnis zu Demokratie und Menschenrechten, zu Israel und Selbstmordattentaten. In seinen Schriften spreche er sich zwar deutlich gegen autoritäre Herrschaftsformen aus und halte fest, dass die islamische Erweckungsbewegung nur in einer Atmosphäre von Freiheit und Demokratie Frucht getragen habe, doch wettere er gegen die westliche Demokratie. So plädiere er dafür, jedes Gesetz, das den Bestimmungen des Islam widerspricht, für null und nichtig zu erklären. Welche Gesetze in einer Demokratie mit dem Islam vereinbar sind, sollten die führenden islamischen Rechtsgelehrten unabhängig von staatlichen Vorgaben entscheiden. Das islamische Religionsgesetz, die Scharia, habe für ihn Vorrang vor den Menschenrechten.

Wie Schirrmacher ferner mitteilt, sei al-Qaradawi ein entschiedener Gegner Israels. Bemühungen um einen dauerhaften Frieden halte er für Verrat an der muslimischen Gemeinschaft. In palästinensischen Selbstmordattentätern sehe er „heroische Märtyrer“. In einem Fernsehinterview habe er sich bereit erklärt, nötigenfalls sogar im Rollstuhl auf Juden schiessen zu wollen. Für Schirrmacher ist klar: „Für den Fall, dass die Muslimbrüder mehr politischen Einfluss gewinnen sollten, dürften die Chancen für mehr Menschen- und Bürgerrechte und eine Stabilisierung des Nahen Ostens schwinden.“

Von den rund 83 Millionen Einwohnern Ägyptens sind 87 Prozent Muslime und zehn Prozent orthodoxe Kopten. Ausserdem gibt es kleinere Gruppen von Katholiken und Protestanten.



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