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Leipzig: Älteste Bibel der Welt ist Publikumsmagnet

(20. Mai 2011/fa.) – Des grossen Erfolges wegen wird die Ausstellung „Tischendorf und die Suche nach der ältesten Bibel“ in der Biblioteca Albertina der Leipziger Universität verlängert. Noch bis zum 5. Juni können sich die Besucher hier über die Geschichte der Entdeckung des Codex Sinaiticus, des ältesten Bibelmanuskripts mit dem vollständigen Text des Neuen Testaments, informieren.

Diese Entdeckungsgeschichte zählt zu den spannendsten Wissenschaftskrimis der letzten zweihundert Jahre. Die Ausstellung stellt diese Geschichte ins Zentrum. Die Universität Leipzig feiert mit der Sonderausstellung den Abschluss eines internationalen Forschungsprojektes zum Codex Sinaiticus.

Zu sehen sind auch zwei originale Blätter des äusserst wertvollen Manuskripts. Die Ausstellung entstand in einer Zusammenarbeit der Universitätsbibliothek mit dem Lehrstuhl für Byzantinische und Neugriechische Philologie der Universität Leipzig.

Der Leipziger Forscher Konstantin von Tischendorf (1815-1874) entdeckte in den Jahren 1844 und 1859 im Katharinenkloster (Sinai) eine griechische Bibelhandschrift, den heute weltberühmten Codex Sinaiticus von ca. 350 n.Chr. Die Abschrift enthält das gesamte Neue Testament und grosse Teile des Alten Testaments.

43 Blätter dieser wertvollen Bibelhandschrift werden in der Universitätsbibliothek Leipzig aufbewahrt. Der grösste Teil der Handschrift befindet sich heute in der British Library in England, sowie einzelne Blätter in St. Petersburg. 1975 wurden im Katharinenkloster 24 weiter Blätter bzw. Fragmente entdeckt.

In einem aufwendigen Digitalisierungsprojekt wurden die weltweit verstreuten Teile der Handschrift „virtuell“ wiedervereint. Die Bibel kann im Internet abgerufen werden unter   www.codex-sinaiticus.net/de . Soeben ist zudem ein hervorragend gedrucktes Farbfaksimile veröffentlicht worden.

Neben Blättern aus der fast 1800 Jahre alten Sinaibibel zeigt die Ausstellung weitere Handschriftenfunde Tischendorfs und dokumentiert das abenteuerliche Leben des Forschers. Angaben von Direktor Prof. Ulrich Schneider von der Uni Leipzig zufolge ist die Schau die bislang erfolgreichste Ausstellung der Universitätsbibliothek Leipzig.

Auf grosse Resonanz stiess in Leipzig der Vortrag des bekannten Israel- und Bibelexperten Alexander Schick, der seit Jahren das Leben von Konstantin von Tischendorf erforscht. Für Schick ist Tischendorf einer der faszinierendsten Gelehrten des 19. Jahrhunderts, da sich bei ihm in besonderer Weise Wissenschaft und gelebter Glaube verbanden.

Tischendorfs Anliegen sei es gewesen, die hervorragende Überlieferung des Neuen Testaments aufzuweisen. Schick ging in seinem Vortrag auch auf die Behauptung ein, Tischendorf habe den grössten Teil der Handschriften bei seiner Reise 1859 gestohlen und legte dar, dass das nicht so war. Tischendorf hatte seine Reise 1859 unter dem Patronat des russichen Zaren angetreten. Die Handschrift schenkten die Mönche später dem Zaren.

1933 verkaufte Stalin die wertvolle Bibel nach England. Im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes sind 2006 in den alten Zarenarchiven die Schenkungsurkunden der Mönche wieder aufgetaucht.

Die Erforschung der Dokumente zeigt, dass der Schenkungsakt kompliziert war aber rechtlich einwandfrei erfolgt sei. Tischendorf sei, so Schick, ein Ehrenmann und integrer Christ gewesen ist, der seine Forschungsarbeiten in den Dienst der christlichen Sache stellte. Heute gilt die Entdeckung des Codex Sinaiticus als so bedeutend, wie die Funde der Schriftrollen vom Toten Meer, die die hervorragende Überlieferungstreue der Heiligen Schrift belegen, so Alexander Schick.

Der russische Zar adelte Tischendorf für seine wissenschaftlichen Leistungen. Alexander Schick ist Leiter der grössten Bibelausstellung Europas, die von Gemeinden ausgeliehen werden kann. Auf dieser Internetseite kann auch ein Artikel über das Katharinenkloster, "HighTech im Wüstenkloster", heruntergeladen werden.

Im November leitet Schick erneut eine Studienreise nach Israel, Jordanien und zum Katharinenkloster. Informationen sind bei ihm persönlich ( Schick.Sylt@gmx.de ) erhältlich.



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