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Geheimakten aus Lagern für Familien zugänglich

(01. Juni 2011/fa.) – Abhörprotokolle und Vernehmungsberichte über rund 3000 Wehrmachtssoldaten, die in amerikanischer Kriegsgefangenschaft waren, werden Angehörigen und Nachfahren zugänglich gemacht.

Das teilt das Historische Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) mit, welches dieses Informationsangebot in Kooperation mit der Fritz Thyssen Stiftung unterbreitet.

Eine erste wissenschaftliche Auswertung der Protokolle und Akten und eine Buchveröffentlichung hatten sehr grosse öffentliche Beachtung gefunden. Nachkommen und Angehörige der Wehrmachtssoldaten, die in amerikanischer Gefangenschaft abgehört wurden, erhalten Zugang zu den Abhörprotokollen und Vernehmungsberichten.

Zu familiengeschichtlichen Zwecken können ab sofort Kopien von amerikanischen Geheimakten aus dem Zweiten Weltkrieg angefragt werden. Das Angebot bezieht sich auf das umfangreiche Aktenmaterial aus dem Forschungsprojekt „Referenzrahmen des Krieges“, das von der Fritz Thyssen Stiftung gefördert wird. Das Forschungsprojekt stützt sich auf bislang unbekannte Quellen aus amerikanischen Archiven und verfolgt das Ziel, einen grundlegenden Beitrag zu einer Mentalitätsgeschichte der Wehrmacht zu leisten.

Zuletzt ging hieraus das viel beachtete Buch „Soldaten“ von Prof. Sönke Neitzel und Prof. Harald Welzer hervor, die das Projekt leiten. Für Angehörige und Nachfahren von Wehrmachtssoldaten besteht nun die Möglichkeit, Kopien aus diesen Unterlagen zu erhalten. Das verfügbare Quellenmaterial umfasst über 100.000 Seiten Akten, die aus dem amerikanischen Kriegsgefangenenlager Fort Hunt bei Washington stammen.

In diesem geheimen Vernehmungslager wurden während des Zweiten Weltkrieges über 3000 deutsche Wehrmachtssoldaten interniert, vernommen und über versteckte Mikrophone heimlich belauscht. Zu jedem einzelnen Gefangenen fertigte die Lagerbürokratie eine Gefangenenakte an. Die einzelnen Gefangendossiers enthalten wörtliche Abhörprotokolle über die Gespräche der Gefangenen mit ihren Zellengenossen, Vernehmungsberichte zu diversen Themen, Materialien über die lebensgeschichtlichen Hintergründe und militärischen Karrieren der Soldaten sowie vieles mehr.

Eine alphabetische Liste aller Soldaten, über die dem Mainzer Forschungsteam Gefangenenakten aus Fort Hunt vorliegen, ist auf der Website des Historischen Seminars verfügbar ( http://www.uni-mainz.de/FB/Geschichte/hist4/820.php ). Das Angebot, von diesen Gefangenenakten Kopien zu erhalten, richtet sich ausschliesslich an Angehörige und Nachfahren der betreffenden Wehrmachtssoldaten zu familiengeschichtlichen Zwecken.

Das Mainzer Forschungsteam bittet in diesem Fall um Kontaktaufnahme bei Dr. Felix Römer. Prof. Neitzel hofft, dass beide Seiten von diesem Angebot profitieren werden: „Diese Materialien können den Familien viele offene Fragen über den Weg ihrer Väter und Grossväter durch den Zweiten Weltkrieg beantworten, und vielleicht können wir durch den Austausch mit den Familien auch noch einiges mehr über die Wehrmachtssoldaten erfahren, um ihnen in unseren Studien noch besser gerecht werden zu können.“

Weitere Informationen:
Dr. Felix Römer
Historisches Seminar / Neueste Geschichte Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
Jakob-Welder-Weg 18 D 55128 Mainz Tel. +49 6131 39-27193
Mail: Roemerf@uni-mainz.de

http://www.uni-mainz.de/FB/Geschichte/hist4/



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