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Cash und Kant

(20.Juli 2011/uk.) – Walk the Line philosophisch betrachtet. Eine Gruppe von Philosophen und Theologen näherte sich den Texten und Geschichten von Johnny Cash.

Country-Musik ist eigentlich gemütlich – eher ruhig. Selbst die schnellen Lieder sind entspannt, und das passt ganz gut zum Selbstverständnis, wie es die Tennessee Three einmal so ausdrückten: «We never played that kind of songs that drive anybody wild». Und entsprechend waren und sind die Texte für mitteleuropäische Verhältnisse geradezu angenehm konservativ: Die Familie ist das Zentrale, die Ehe wird hochgeschätzt, und trotz der (zugegebenermasssen erlaubten) Eskapaden des Mannes bleibt Treue ein hoher Wert. Das Verwurzeltsein in der heimischen Landschaft ist ein regionaler Patriotismus, der christliche Glaube in einer sehr pietistischen Ausprägung wird immer wieder ehrfurchtsvoll besungen, und die Geschichte ist kein Problem, weil sie einem klaren Schwarz-Weiss-Muster folgt und dementsprechend auch immer eine moralische Botschaft enthält. Einfache Texte, einfache Musik, ohne grossen Anspruch, aber bisweilen schön zu hören.

Dass es dabei auch Brüche gab und gibt, ist offenkundig. Das wird am Beispiel von Johnny Cash, der vor acht Jahren verstorbenen Ikone der Country-Music, sehr deutlich. Im Privatleben ein «wandelnder Widerspruch» (so eine Formulierung von Kris Kristofferson), und musikalisch ein Grenzgänger, was sich am ehesten zeigt, wenn man sich auf Youtube seine Shows von 1969 bis 1971 anschaut. Da gibt es kulturell und musikalisch keine Berührungsängste, im Gegenteil! Neben einem gutgelaunten Cash, der sich meist nur auf der akustischen Gitarre begleitet und seinem Country-Sound mit einem spezifischen Picking auf der Gitarre treu bleibt, treten so unterschiedliche Leute wie Louis Armstrong (Jazz) auf, der mit sichtlichem Vergnügen Trompete spielt, Ray Charles (Soul) traktiert sein Klavier energiegeladen und kommt stimmlich zu höchsten Höhen, Eric Clapton spielt etwas verunsichert ob des biederen Umfeldes seine Gitarrenriffs, CCR singen ihre Untergangsvisionen vom «bösen aufsteigenden Mond», Jose Feliciano interpretiert auf der Konzertgitarre fast schon hypnotisch rasend schnell gespielte Country-Suiten, linke Liedermacher wie Neil Young, Joni Mitchell, Melanie, Judy Collins, Joe South und Pete Seeger haben kein Problem mit dem bodenständigen Cash, und man erlebt Cash als Förderer junger Talente, wenn die damals völlig unbekannte Linda Ronstadt ihren ersten grösseren Auftritt hat. Wie gesagt, musikalisch und kulturell sehr ansprechend. mehr...

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