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Zweifel am Urvogel

(10.September/tl.) – Neue wissenschaftliche Erkenntnisse weisen darauf hin, dass der Archaeopteryx kein Vogel war und somit nicht als Beleg für die Evolutionstheorie herangezogen werden kann.

Gerade einmal zwei Jahre nach der Veröffentlichung von Charles Darwins «Entstehung der Arten» entdeckte der Urzeitforscher Hermann von Meyer im Plattenkalk im bayrischen Altmühltal ein versteinertes Skelett: Das Lebewesen muss ausgesehen haben wie ein Reptil, hatte aber Federn wie ein Vogel. Der Körperbau war dem bestimmter Saurier ähnlich. Darwin zeigte sich erfreut: Das schien ein wichtiger Beleg für seine Theorie zu sein.

Der Archaeopteryx gilt seither als ein Indiz für die Richtigkeit der Evolutionstheorie: Er sei der Urvogel, von dem letztlich die heutigen Vögel abstammen. Jetzt sorgt ein versteinerter Saurier mit Federn (Xiaotingia zhengi holotype), der in Nordchina gefunden wurde, für Aufregung in der Fachwelt. Im Wissenschaftsmagazin «Nature» erklärten Paläontologen, dass Archaeopteryx kein Vogel gewesen sein könne. Damit könne er auch nicht mehr als eine Verbindung von den Sauriern zu den Vögeln gelten. Chinesische Paläontologen versuchten mit einer speziellen Software den Xiaotingia in die angenommene Entwicklungslinie zu integrieren. Dabei zeigte sich, dass der hühnergrosse chinesische Saurier einer Gruppe von Urechsen näher stand als den späteren Vögeln. Durch dieses neue Element wurde auch klar, dass Archaeopteryx nicht in den angenommenen Stammbaum passt. Bestimmte Merkmale des Archaeopteryx, die bislang als «vogeltypisch» galten, sind den Erkenntnissen der chinesischen Wissenschaftler zufolge nicht charakteristisch für Vögel, sondern für die Gruppe der sogenannten Paraves. Der Archaeopteryx muss, so die chinesischen Paläontologen, statt in die «Vogellinie» in den Stammbaum einer bestimmten Saurierart eingeordnet werden.

Ihre Entdeckung  «wird wahrscheinlich für beträchtliche Kontroversen sorgen – wenn nicht sogar für Entsetzen», meint der Professor für Paläontologie und Anatomie Laurence Witmer (Ohio State University). Zum einen wegen der historischen und soziologischen Bedeutung, die Archaeopteryx aufgrund seiner vermeintlichen Vogelartigkeit hatte. Vor allem aber, weil «vieles von dem, was wir über den Ursprung der ersten Vögel zu wissen glaubten, nun neu überdacht werden muss», so Prof. Laurence Witmer.

Den in «Nature» publizierten Erkenntnissen zufolge war Archaeopteryx kein Urvogel, sondern ein Saurier, der allenfalls zu einem kurzen Gleitflug fähig war. Diese Ansicht war bereits 2005 von dem Frankfurter Paläoornithologen Gerald Mayr, Sektionsleiter am Frankfurter Senckenberg Forschungsinstitut, geäussert worden. Ihm war aufgefallen, dass dem Archaeopteryx ein nach hinten abgewinkelter Zeh fehlt. Ein solcher ist für Vögel aber unabdingbar, um Äste umgreifen zu können.

Der Diplom-Geologe Martin Röper vom Museum Solnhofen in Bayern betrachtet die Folgerungen der chinesischen Wissenschaftler mit Skepsis. Die Annahmen der chinesischen Paläontologen werden sich nicht lange halten können, meint er. Für ihn ist der Archaeopteryx weiterhin der Urvogel, der Stammvater aller heutigen Vögel.

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