Afghanistan: Entwicklungshelfer getötet
(06. September 2011/idea) – Die beiden in Afghanistan verschwundenen deutschen Entwicklungshelfer sind nach Angaben der örtlichen Behörden tot.
Dorfbewohner hätten die Leichen im Parwan-Gebirge nördlich von Kabul entdeckt. Sie seien vermutlich von örtlichen Nomaden in der Gegend getötet worden, so eine Behördensprecherin. Es werde ein Team zur Fundstelle geschickt, um die Leichen zurückzubringen.
Beim Auswärtigen Amt in Berlin gab es für den Tod der beiden Männer zunächst keine Bestätigung. Man gehe allen Hinweisen nach, um das Schicksal der beiden Deutschen zu klären, sagte ein Sprecher des Ministeriums.
Bei den Vermissten handelt es um zwei Mitarbeiter deutscher Hilfsprojekte: Siegbert Stocker aus Wilsdruff bei Dresden und Willi Ehret aus Ditzingen-Heimerdingen bei Stuttgart. Die beiden Männer waren am 19. August beim Wandern spurlos verschwunden. Sie hatten ihren Wagen samt Fahrer am Fuss eines Bergs nahe dem Salang-Fluss zurückgelassen und gingen zu Fuss weiter. Als die Männer von ihrem Ausflug nicht zurückkamen, alarmierte der Fahrer die Polizei. Eine Suchaktion blieb erfolglos.
Stocker gehört zur evangelischen Christusträger-Bruderschaft mit Hauptsitz im unterfränkischen Triefenstein bei Würzburg; in Wilsdruff betreibt sie ein Gästehaus. Die Bruderschaft mit weltweit 26 Mitgliedern wollte sich nicht zu den aktuellen Vorgängen äussern. Stocker ist einer von drei in Afghanistan tätigen Brüdern, wo die Bruderschaft seit 1969 arbeitet. Sie betreibt unter anderem zwei Kliniken für Lepra- und Tuberkulosekranke. 2008 wurde darüber hinaus zusammen mit der katholischen Hilfsorganisation Misereor eine Werkstatt für Metallbauer errichtet. Hier bildete Bruder Siegbert junge Afghanen aus. Der promovierte Agrarwissenschaftler Ehret ist für die staatliche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) tätig.
In den vergangenen Jahren ist es in Afghanistan immer wieder zu Entführungen gekommen, der nicht nur westliche Entwicklungshelfer und Geschäftsleute zum Opfer fallen, sondern oft auch vermeintlich wohlhabende Afghanen. In der Regel wurden die Betroffenen gegen die Zahlung eines Lösegeldes wieder auf freien Fuss gesetzt.
Im Jahr 2007 sorgte die Entführung von zwei deutschen Bauingenieuren wochenlang für Aufsehen. Eine Geisel wurde erschossen, die andere kam im Oktober 2007 nach 85 Tagen frei. Wenig später wurde eine deutsche evangelikale Entwicklungshelferin verschleppt: Christina Meier. Sie war damals Büroleiterin der Hilfsorganisation „Ora International“ in Kabul und wurde nach rund 36 Stunden von afghanischen Sicherheitskräften aus den Händen ihrer Entführer befreit. Ein blutiges Ende fand vor gut einem Jahr ein Einsatz eines augenmedizinischen Teams des christlichen Hilfswerks International Assistance Mission (IAM). Zehn Mitarbeiter – darunter die sächsische Dolmetscherin Daniela Beyer – wurden bei der Rückkehr von einem Einsatz in der Provinz Badakstan erschossen. Die Täter sind bis heute nicht ermittelt.
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