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Iran: Hinrichtung vorerst abgewendet
(13. Oktober 2011/idea) – Internationale Proteste und Gebete zeigten im Iran Wirkung: Die unmittelbare Gefahr einer Hinrichtung des wegen seines christlichen Glaubens zum Tode verurteilten Pastors Youcef Nadarkhani ist abgewendet.
Die Aufschiebung des Vollstreckungsurteils bestätigte der Vorstandssprecher der Internationen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Martin Lessenthin (Frankfurt am Main).
Dem 35-jährigen ehemaligen Muslim – Leiter einer 400 Mitglieder zählenden christlichen Untergrundgemeinde – droht der Tod durch den Strang als Strafe für die „Verbreitung nichtislamischer Lehre“ und den „Abfall vom islamischen Glauben“.
Gegen das bestätigte Urteil des Obersten Gerichtshofs und die bevorstehende Hinrichtung erhob sich eine Welle internationaler Proteste; unter anderem kamen sie vom Europäischen Rat, der Bundesregierung, dem britischen Aussenminister William Hague, CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe und dem geistlichen Oberhaupt der Anglikaner, Erzbischof Rowan Williams (London).
Die IGFM hatte binnen kurzer Zeit 11.000 Unterschriften für Nadarkhanis Freilassung gesammelt. Jetzt soll sein Fall nach Informationen der Iranischen Studentischen Nachrichtenagentur ISNA vor einem untergeordneten Gericht neu aufgerollt werden. Es seien Bedenken im Blick auf die ursprünglichen Ermittlungen aufgetaucht, berichtet der US-Nachrichtensender Fox News.
Lessenthin bestätigte, dass der höchste religiöse Führer und Rechtsgelehrte Irans, Ayatollah Khamenei, im Fall Nadarkhani angerufen werden solle. Damit sei das Todesurteil zwar nicht aufgehoben, aber zumindest die Vollstreckung des Urteils verschoben. Lessenthin führt dies auch auf die „starken Proteste“ zurück.
Der Sprecher des Vatikans, Federico Lombardi, teilte der US-amerikanischen Zeitung National Catholic Register mit, dass der Heilige Stuhl über diplomatische Kanäle mit den iranischen Behörden in Kontakt stehe. Die Weltweite Evangelische Allianz (WEA), die 600 Millionen Evangelikale repräsentiert, rief zum Gebet auf und setzt sich ebenfalls für Nadarkhanis Freilassung ein. Er war als 19-jähriger Muslim zum Christentum übergetreten. 2010 wurde er wegen „Abfalls vom Islam“ und „Verbreitung nicht-islamischer Lehren“ zum Tode verurteilt; Ende Juni 2011 bestätigte der Oberste Gerichtshof das Urteil in letzter Instanz.
Im Iran gilt das Religionsgesetz Scharia, das den „Abfall vom Islam“ mit dem Tode bedroht. Im Wiederaufnahmeverfahren stellte das Gericht in Gilan offiziell fest, dass Nadarkhani vor seinem Glaubenswechsel Muslim gewesen sei. Sein Leben retten könne er nur, wenn er sich vom christlichen Glauben lossage. Darauf lässt sich der Pastor aber nicht ein. Gholomali Rezvani – stellvertretender Gouverneur der Provinz Gilan, wo das Wiederaufnahmeverfahren stattfand – brachte neue Vorwürfe gegen den Pastor ins Spiel. Er sei „Zionist“, „Vergewaltiger“ und Erpresser“; das sind im Iran Verbrechen, die ebenfalls mit dem Tod bestraft werden.
Würde Nadarkhani gehenkt würde, wäre eine grosse Zahl iranischer Christen von der Hinrichtung bedroht, warnt die IGFM. Sie hatte zusammen mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea Nadarkhani bereits im Dezember 2010 als „Gefangenen des Monats“ benannt und zur Unterstützung für ihn aufgerufen. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne, die sechs bzw. acht Jahre alt sind. Seine Ehefrau, Fatemeh Pasandideh, war ebenfalls wegen ihres Glaubens inhaftiert, ist aber wieder auf freiem Fuss.
Von den 74,2 Millionen Einwohnern Irans sind 99 Prozent Muslime. Die Zahl der Konvertiten zum christlichen Glauben wird auf 250.000 geschätzt. Ferner gibt es bis zu 150.000 meist orthodoxe armenische und assyrische Christen.
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