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Gilad Shalit ist frei - ein Entscheid der Hoffnung

(18. Oktober 2011/tl.) - Gilad Schalit ist frei. Nach mehr als fünf Jahren in der Gefangenschaft von Hamas-Terroristen konnte Gilad im Austausch gegen mehr als 1000 palästinensische Terroristen wieder zu seiner Familie zurückkehren.

Schmächtig, mit Ringen unter den Augen aber doch guter Dinge kam Gilad in Israel an. Er fühle sich gesund, erklärte er. Seine Hoffnung sei, dass bald Frieden einkehre.

In Israel und bei vielen Menschen in der ganzen Welt ist die Freude über die Freilassung gross. Millionen von Menschen hatten für seine Freilassung gebetet. Aus den Bittgebeten werden jetzt Gebete des Dankes.

Die meisten Israelis befürworteten die Freilassung der vielen Terroristen im Gegenzug für Gilads Freiheit. Manche, darunter vor allem Menschen die Angehörige durch Terroristen verloren haben, kritisierten den Austausch. Die Freilassung der Terroristen werde zu neuen Anschlägen führen – und sie werde neue Entführungen provozieren, ist die Befürchtung.

Für Israel war die Entscheidung, für Gilad so viele Schwerverbrecher freizulassen, die für den Tod von mehr als tausend Menschen verantwortlich sind, ein Dilemma. Dass Israel sich diesem Dilemma überhaupt gestellt hat, zeigt die moralische Grösse Israels.

Jeder der freigelassenen Terroristen weiss, dass keiner von ihren Auftraggebern und Komplizen einen Finger für seine Freilassung gerührt hätte. Auch Deutschland hat in der Zeit des RAF-Terrorismus in vergleichbarer Situation anders entschieden. Nach der Entführung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Schleyer hatte die Regierung keinen Moment gezögert, die Forderungen der Terroristen nach Gefangenenfreilassung abzulehnen und Schleyer zu opfern. Trotz dieser Entscheidung hatte der damalige Bundeskanzler Schmidt sogar - an der Seite von Schleyers Witwe - an der Trauerfeier für den brutal Ermordeten teilgenommen.

Die schwere Entscheidung, die Israel getroffen hat, zeigt den grundlegenden Unterschied im Menschenbild des jüdischen Volkes und der meisten Palästinenser. Es zeigt, dass menschliches Leben in Israel den höchsten Stellenwert hat. Es ist erstaunlich, dass ein Volk mehrheitlich einem solchen Schritt zustimmt, obwohl jeder von den Nachteilen dieses Schritts persönlich betroffen sein kann - falls es den freigelassenen Mördern gelingt, erneut zuzuschlagen. In welchem anderen Land wäre so etwas denkbar?

Das Israel so handeln konnte ist nur möglich, weil Hoffnung in diesem Land eine bare Münze ist. Ohne Hoffnung wäre die Entscheidung, im Gegenzug für die Freilassung eines einzigen, einfachen Soldaten mehr als eintausend Schwerverbrecher, viele von ihnen Mörder, freizulassen, undenkbar. Es war ein Entscheid der Hoffnung, den Israel gefällt hat.

Sicher wird Israel beträchtliche Mühe darauf verwenden, dass die Freigelassenen nicht ungehindert erneut Menschen ermorden. Insofern zeigt Israels Handeln auch Selbstvertrauen. Dennoch sind der Einsatz für Gilad und dieser gewagte Schritt für seine Freilassung ein Ausdruck von Hoffnung. Ein solches Handeln ist nur in einem Land auf dieser Welt möglich: Israel.



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