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Gesellschaft der Ichlinge
(18. November 2011/tl) – Die eigenen Werte zu vergessen ist eine kostspielige Sache. Die Krise der parlamentarischen Demokratie und die Schuldenkrise sind nicht ohne den Verfall des Glaubens zu erklären.
Verunsicherung angesichts der Umbrüche in der Welt, auch der Schuldenkrise: Viele erleben das Geschehen als emotionale und geistige Überforderung, als kompliziert, nicht mehr verstehbar, bedrohlich. Es werden Rezepte gesucht und Schuldige gefunden.
In den westlichen Ländern hat die parlamentarische Demokratie massiv an Zustimmung verloren. Sie funktioniert immer weniger, der unabdingbare Gemeinsinn schwindet. Er zerfällt in Einzelinteressen. Mit Demokratie setzen immer mehr Menschen gleich, dass die Regierung den jeweils eigenen Willen umsetzt. Wer es schafft, genügend lautstarke Mitstreiter hinter sich zu scharen, hat gute Chancen, sein Partikularinteresse durchzusetzen. So kommt es, dass grössere Projekte praktisch nicht mehr realisiert werden können, obwohl sie auch im Interesse des Gemeinwohls sinnvoll wären.
Das Wissen darum, was Demokratie überhaupt ist, schwindet. Demokratie ist mehr als der Wille vieler – oder auch der meisten. Volkswille ist nicht identisch mit Demokratie. Die Nazibarbarei wäre nach dieser Vorstellung bis wenige Jahre vor Kriegsende eine lupenreine Demokratie gewesen. Auch das, was sich jetzt möglicherweise in Ägypten anbahnt, trüge dieses Gütesiegel.
Der Historiker Heinrich August Winkler hat die für ein demokratisches Gemeinwesen unverzichtbaren Elemente einmal so definiert: «unveräusserliche Menschen- und Bürgerrechte, die Prinzipien der Herrschaft des Rechts und der Gewaltenteilung, repräsentative Demokratie». Demokratie zeichnet sich gerade nicht dadurch aus, dass alles zur Disposition steht. Das Wichtigste steht nicht zur Debatte.
Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 08/2011.
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