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Irak: Kann der Christen-Exodus gestoppt werden?

(21. November 2011/idea) – Mehrere Initiativen wollen die christliche Minderheit im Irak ermutigen, trotz ständiger Bedrohungen im Land zu bleiben.

Christen leben seit fast 2.000 Jahren im Irak. Doch in jüngster Zeit hat sich ihre Zahl dezimiert. Seit dem Einmarsch der USA und ihrer Verbündeten vor acht Jahren ist die Zahl der Kirchenmitglieder unter den rund 29 Millionen Einwohnern von 1,3 Millionen auf weniger als 300.000 gesunken.

Islamische Terroristen wollen den Irak von Christen „säubern“. Als Folge hat eine Fluchtwelle ins Ausland und in das nordirakische Kurdengebiet eingesetzt, wo Christen vor Übergriffen besser geschützt sind. In der Stadt Simele in der Provinz Dohuk soll jetzt ein baptistisches Kulturzentrum mit Kapelle, theologischem Seminar, Gesundheitsstation und Schule entstehen. Das Grundstück hat Provinzgouverneur Tamar Ramadhan zur Verfügung gestellt. Als erstes soll eine medizinische Beratungsstelle für Mütter und Kinder eingerichtet werden, danach eine Schule, die Kindern aller Glaubensrichtungen offensteht. Das Projekt wird von irakischen Baptisten in Partnerschaft mit Gemeinden in den USA, Brasilien und Jordanien durchgeführt, berichtet die Wochenzeitung Baptist Times (Didcot/England).

Seit mehreren Jahren fördert die mit der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) verbundene Stephanus-Stiftung (Frankfurt am Main) Projekte im Nordirak, die die Präsenz der Christen stärken und das Zusammenleben von Angehörigen verschiedener Religionen verbessern sollen. So unterstützt sie zwei Hilfswerke des assyrischen Erzdiakons Emanuel Youkhana (Dohuk) und die Bemühungen des chaldäisch-katholischen Erzbischofs Louis Sako (Kirkuk), Christen im Nordirak eine möglichst sichere Existenz zu erhalten. Ferner hilft die Stiftung dem etwa 40 Kilometer von Mosul entfernten Kloster St. Hormizd. Dort suchen Christen Zuflucht vor Anschlägen. Das Kloster beherbergt auch Waisenkinder.

In Shekhan in der Niniveh-Ebene soll ein zwei Jahre dauerndes Projekt zum friedlichen Miteinander von Muslimen, Christen und Jesiden beitragen. Eine Partnerorganisation der IGFM bringt Frauen bei Nähkursen zusammen, wo sie auch über ihre familiären und gesellschaftlichen Probleme sprechen können.

Der Pfarrer der einzigen anglikanischen Gemeinde im Irak, Andrew White (Bagdad), ruft die Christen ebenfalls zum Bleiben auf. „Ich verlasse euch nicht; bitte verlasst mich nicht“, erklärte der 47-jährige Engländer. White, der seit seinem 33. Lebensjahr an Multipler Sklerose leidet, ist seit 1998 im Irak tätig. Im September wurde sein langjähriger irakischer Mitarbeiter Faiz Bashir zum Priester geweiht. Beide sind an der 4.000 Mitglieder zählenden Georgskirche in Bagdad tätig. Sie verteilt auch Nahrung und leistet medizinische Hilfe für Bürger jeglicher Religion.

Für Christen sei das Leben im Irak sehr schwer, so White. Auch der verstärkte Polizeischutz von Kirchen nutze wenig gegen Terroristen, die zunehmend Christen zuhause aufspüren und angreifen. Seinem irakischen Leibwächter habe eine Granate beide Beine abgerissen. Nach Whites Überzeugung kann eine Lösung der Konflikte nur auf religiöser Ebene gefunden werden.

White gehört dem multireligiösen Hohen Rat Religiöser Leiter an. Nach einer Terrorwelle gegen Christen im vorigen Jahr hätten muslimische Geistliche in dem Gremium eine Fatwa (islamisches Rechtsgutachten) erlassen, die das Töten religiöser Minderheiten verurteilte. Nach der Verbreitung des Schreibens sei die Mordserie vorerst gestoppt worden, so White.



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