Vielen Pfarrern ist Mission peinlich
(16. Dezember 2011/idea) – Scharfe Kritik an der Missionstheologie und –praxis in der evangelischen Kirche übt der Theologe Dieter Müller (Kiel) vom Vorstand der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Nordelbien.
Die biblische Erkenntnis, dass Gott selbst der Missionar sei, werde im volkskirchlichen Raum zum Vorwand genommen, den Missions- und Evangelisationsauftrag zu ignorieren. „Nach wie vor empfinden ihn nicht wenige Theologen als peinlich“, schreibt Müller im Blatt der theologisch konservativen Vereinigung.
Kirchliche Erklärungen stünden zudem oft im Widerspruch zur Praxis. So zitiert er aus einer „Kundgebung“ der jüngsten EKD-Synode in Magdeburg zum Schwerpunktthema Mission: „Wir können als Christen nicht schweigen von dem, was sich uns als wahr erschlossen hat: die Zuwendung Gottes in Jesus Christus zu allen Menschen.“ Müller erwidert: „Ich habe in 35 Dienstjahren fast nie erlebt, dass Pastoren in Konventen oder Arbeitsgruppen über ihre Glaubenserfahrungen gesprochen hätten. Sie konnten durchaus schweigen.“
Die in der Gesellschaft weit verbreitete Überzeugung, dass der Glaube Privatsache sei, liege „wie ein Bann auch über der Volkskirche und ihrem Personal“.
Lähmend wirke sich auch die Allversöhnungslehre aus. Müller kritisiert in diesem Zusammenhang Äusserungen des hannoverschen Landesbischofs Ralf Meister. In einem idea-Interview habe dieser „spekuliert“, dass Gott im Jüngsten Gericht „allen Menschen versöhnend gegenübertreten wird“.
Müller fragt: „Auch Hitler, Stalin, Pol Pot und all den anderen Gotteslästerern, Massenmördern und Menschenschindern der Weltgeschichte? Finden sie ohne Umkehr und Vergebung ihren Platz im himmlischen Anbetungssaal?“ Dies als Basis für ein Missionskonzept der EKD zu machen, sei ein „theologischer und seelsorglicher Skandal“. Die Bibel und die kirchlichen Bekenntnisse sprächen „mit grossem Ernst davon, dass Menschen, die nicht zu Christus, dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn, umkehren, verloren sind“.
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