SP-Nationalrat Philipp Hadorn unter Beschuss
(20. Januar 2011/rh.) – Mit dem reisserischen Titel „Jesus statt Darwin - Sozi will Lehrplan ändern“ provoziert das Online-Portal „20 Minuten“ Dutzende von kontroversen Leserreaktionen um Nationalrat Philipp Hadorn.
„Die SP setzt sich gegen den Fundamentalismus ein. Doch die Partei hat neu einen frommen Nationalrat, der Abtreibung verbieten und die Schöpfungsgeschichte an den Schulen lehren möchte.“ So beginnt der Artikel von Simon Hehli über den neugewählten SP-Nationalrat und Gewerkschafts-Sekretär Philipp Hadorn. Wie fast immer, wenn in diese Richtung polemisiert wird, hagelte es innert Kürze Hunderte von Leserreaktionen.
Der Schweizer Nationalrat Philipp Hadorn steht zwischen allen Fronten. Nachdem er von vielen Christen wegen seiner SP-Zugehörigkeit hinterfragt wird, bekommt er nun auch noch harsche Kritik aus der eigenen Partei.
Grund: Philipp Hadorn bekennt sich zu seinem Glauben an Jesus Christus. Ab und zu trägt er ein Fisch-Emblem am Revers. Das sei „ein Bekenntnis, dass ich jemand bin, für den Jesus wichtig ist“, sagte er gegenüber „20Minuten online“. Philipp Hadorn ist Mitglied einer Evangelisch-Methodistischen Kirche. Bei Fragen wie der Abtreibung oder dem Adoptionsrecht homosexueller Paare ist er nicht auf Parteilinie.
Weshalb Hadorn nun aber ins Blickfeld der Medien geriet, hängt mit dem geäuserten Wunsch zusammen, dass in den Schulen der Ursprung der Welt und des Lebens nicht allein mit der Evolutionstheorie erklärt wird, sondern ergänzend auch die Erklärung der Bibel ihren Platz hätte. Philipp Hadorn formulierte dies sehr vorsichtig, ausdrücklich als Wunsch, nicht als Forderung. Und Hadorn bedauerte: „Ich finde es aber schade, dass wissenschaftliche Kreise die Idee des Intelligent Design als Gift betrachten.»
Bei Nationalrat Hadorn findet sich keine Spur jener Kampfstimmung, wie sie kreationistische Kreise in den USA mancherorts aufbauen. Doch seine leisen Gedankenspiele sind für etliche seiner Parteigenossen des freien Denkens bereits zu viel.
Die Theorie des Intelligent Design baut auf die wissenschaftlich überpüfbaren Tatsache, dass es derart komplex aufeinander abgestimmte biologische Systeme gibt, die nur als Ganzes, nicht aber als Einzelteile überlebensfähig sind. Dies führt zur Annahme, dass hinter nichtreduzierbar komplexen Systemen eine höhere, ordnende, planende Intelligenz stehen muss.
Die Evolutionstheorie hingegen geht davon aus, dass sich das Leben vom einfachen zum komplexen Wesen höher entwickelte, und zwar durch zufällige Mutationen, durch die Selektion des Stärkeren und enorm viel Zeit, aber ohne eigentlichen Masterplan.
Als bekennender Christ ist der Solothurner Philipp Hadorn in den Reihen der Sozialdemokraten ein Aussenseiter. Für ihn sei klar, dass Gott der Schöpfer allen Lebens auf dieser Welt ist, wird Hadorn zitiert. Wie Gott das genau gemacht habe, in welcher Form und in welchem Zeitablauf, spiele für seinen Glauben, seine Politik und sein Leben keine zentrale Rolle.
Der Präsident der Jungsozialisten (Juso), David Roth äusserte sich dennoch angriffig: «Wenn Hadorn will, dass der Kreationismus an den Schulen gelehrt wird, dann sind wir nicht nur irritiert – dann haben wir Krach.» Mit seinen «exotischen» gesellschaftspolitischen Haltungen isoliere sich Hadorn in seiner Fraktion. Das sei weniger ein Problem für die Partei als für Hadorn selbst, meinte Hans-Jürg Fehr, ehemaliger SP-Parteivorsiteznder. Hadorn müsse damit zurechtkommen, ganz am Rande der Fraktion zu stehen. Falls Hadorn beginnen würde, unter SP-Mitgliedern „zu missionieren“, würde er auf massivsten Widerstand stossen, dem ist sich Fehr sicher.
Philipp Hadorn sieht seine politische Karriere getragen von seinem Glauben an Gott, auch seine Wahl zum Nationalrat. Zudem - er ist alles andere als ein Hardliner. Er ringt um eine differenzierte Haltung, will nicht schwarz und weiss malen und sich auch nicht in eine fundamentalistische Ecke drängen lassen. Respekt auch gegenüber Andersdenkenden ist für ihn eine zentrale christliche Tugend.
Er sei in der SP, weil diese Partei seinem sozialen Gedankengut am ehesten entspreche. Sozialpolitische Fragen seien für die Politik viel entscheidender als etwa die Frage, wer mit wem ins Bett gehe, meinte Philipp Hadorn gegenüber „20 Minuten“. Auch in der Bibel gehe es viel häufiger um das Verhältnis zwischen Arm und Reich als um Sexualmoral.
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