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Sakrileg: "Geschichte voller Irrtümer"
(21. April 2006/fa.) - Der US-Theologe und Publizist Erwin W. Lutzer über Fakten und Fiktion in Dan Browns Buch «Sakrileg».
Dr. Lutzer, warum wurde Browns Roman mit offenen Armen empfangen und zum Bestseller? Liegt das am geistigen Klima in der westlichen Welt? Erwin W. Lutzer: In diesem Buch gibt es viele Strömungen mit einer Verbindung zu unserer Kultur. Beispielsweise findet es Anklang bei Feministinnen, die es ohne Zweifel begrüssen, dass Jesus beabsichtigt haben soll, die christliche Gemeinde auf Maria Magdalena aufzubauen. Erst machtgierige Männer hätten ihr diesen Auftrag im Nachhinein gestohlen. Diese Vorstellung gekoppelt mit der heidnischen Idee, Gott könne mit einem sexuellen Ritual in Berührung gekommen sein, wird in unserer Kultur gerne angenommen. Wenn man ausserdem die Idee hinzufügt, dass die Kirche etwas zu verheimlichen habe, dann kommen rasch Verdächtigungen auf, dass an irgendwelchen «geheimen Dokumenten» doch etwas dran sein könnte. Damit gibt der Gnostizismus den Menschen den Freipass zu glauben, was sie wollen. Das ist Musik für die Ohren von Menschen in einer Kultur, die das Heiligtum der Toleranz anbetet und damit auch die Vorstellung, dass wir uns unseren Glauben selbst erfinden könnten.
Wie kommt es, dass dieses Buch nicht als Roman, sondern als Tatsachenbericht verstanden wird? Erwin W. Lutzer: Erstens, weil darin behauptet wird, dass diese Berichte geschichtlich seien – immerhin sprechen die «Gnostischen Evangelien» auch über Jesus und Maria Magdalena. Zweitens, weil einiges im Buch tatsächlich sachlich ist. Verschiedene Organisationen und historische Ereignisse werden richtig beschrieben. So rief König Konstantin tatsächlich das Konzil von Nizäa aus. Weil nun einiges stimmt, leiten viele Leserinnen und Leser davon ab, dass auch der Rest des Inhalts wahr sein könnte, zum Beispiel eben die Behauptung, dass Konstantin die Gottheit von Jesus erfunden habe. Ohne Kenntnisse der Geschichte können viele nicht unterscheiden, dass zwar die erste Aussage eine Tatsache ist, die zweite und die nachfolgenden aber erfundene Behauptungen sind. Man nimmt an, der ganze Bericht beruhe auf Fakten. Würde der herausgebende Verlag damit beginnen, die geschichtlichen Fehler zu korrigieren, dann würde das ganze Werk einstürzen. (...)
Lesen Sie das ganze Interview im FACTUM 3/2006!
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