Monster-Rocker sind Europas liebste Band
(22. Mai 2006/rh.) - Am grossen Eurovisions-Schlagerwettbewerb gewann die finnische Hardrock-Schockerband „Lordi“ haushoch.
Die in dämonischer Verkleidung auftretenden Finnen betonen zwar, dass sie keineswegs Satanisten seien. Die Maskerade gehöre einfach zu ihrem Auftritt.
Sänger Tom Putaansuu alias "Lordi" bezeichnete die immer wieder erhobenen Satanismus-Vorwürfe in einem Interview als "totalen Quatsch". Schliesslich habe man ja auch einen Song im Repertoire mit dem Titel "Devil is a Loser". Doch ansonsten ist alles an dieser Band eine Verhöhnung christlicher Werte.
„Lordi“ ist die Verniedlichungsform des englischen Begriffs für den Herrn (Lord) und der am Songcontest siegreiche Titel lobt den Hard Rock und seine Anhänger in den Himmel. „Hard Rock Halleluja“ heisst der gesungene Refrain, während der eigentliche Liedtext nur gegröhlt ist: "Die Heiligen sind angeschlagen in dieser Nacht der Sünder. Verloren sind die Lämmer ohne leitendes Licht", heisst es in dem Grand-Prix-Titel. "Die echten Gläubigen - diese werden gerettet. Brüder und Schwestern bleibt stark im Glauben. Hard Rock Halleluja!”
Sänger Putaansuu bezeichnet sich selbst als "Bastardsohn von tausend Grössenwahnsinnigen" und "unheiliger Herr der Beben". Bassist Ox, das gehörnte Huftier der Band, nennt sich unter anderem "Smashquatch, das gigantische Kraftwerk auf Hufen" - eine kleine Anspielung auf das amerikanische Sasquatch-Phantom, besser bekannt als pelziger "Bigfoot". Schlagzeuger Kita beschreibt sich als "Ork-Soldat".
In einem Videoclip der Band stürmen die Monster-Musiker eine Turnhalle, worauf eine Mädchengruppe tot umfällt, doch die Lordi-Monster lassen sie als Zombies auferstehen.
In Griechenland wurde diese Szene als satanistisch gewertet und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Band kultiviere und rechtfertige den Satanismus und untergrabe die Fundamente der griechischen und europäischen Kultur, hiess es in der Strafanzeige.
Das Eurovisions-Festival liess einem keine grosse Wahl. Da wahren einerseits die Bands mit Damen, die wenig Stoff, dafür umso mehr Haut mit den entsprechenden Tanzbewegungen zeigten – alles weder originell noch künstlerisch hochstehend – und daneben die Monsterfratzen-Band Lordi.
Das europäische TV-Publikum, geschätzte 100 Millionen, setzte die Finnen jedenfalls deutlich an die Spitze. Per SMS oder Telefon machten sie die Zombie-Attrappen zum Sieger des Abends. Sie werteten den Auftritt als professionelle Unterhaltung.
Am 20. Juli kommen Lordi nach Deutschland - zum "Earthshaker Fest" in Rieden-Kreuth in der Pfalz. Dort kommt es zum Stelldichein der Hardrock- und Black-Metall-Szene.
War die Eurovison 2006 das Beste, was Europa in Sachen populärer Musik zu bieten hat? Man kann verstehen, wenn ein Viertel der Teilnehmer einer „Spiegel online“-Umfrage antwortete: „Das ist das Ende des Abendlandes.“
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