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USA: Streit um Kurs der Evangelischen Allianz
(17. März 2007/idea) – In den USA ist ein innerevangelikaler Streit über den Kurs der Evangelischen Allianz (NAE) entbrannt. Konservative Evangelikale werfen der neuen Führung des Dachverbands von rund 45.000 Gemeinden vor, sich immer stärker linksliberalen Positionen zuzuwenden.
Anlass zur Diskussion geben vor allem Erklärungen zum Krieg gegen den Terrorismus und zum Klimawandel. Die NAE hat seit November eine neue Führung.
Damals war Präsident Ted Haggard (Colorado Springs/Bundesstaat Colorado) aufgrund eines Sex-Skandals zurückgetreten; kommissarisch nimmt seither der Pastor und Theologiedozent Leith Anderson (Eden Prairie/Bundesstaat Minnesota) das Amt wahr.
Geschäftsführender Direktor wurde der frühere Heilsarmee-Kommandeur Todd Bassett. Angeheizt hat die jüngste Kontroverse vor allem eine Erklärung gegen Folter, die die Allianz am 12. März veröffentlicht hat. Darin heisst es, die USA hätten im Krieg gegen den Terrorismus „Grenzen des juristisch und moralisch Erlaubten“ überschritten.
Menschenrechtsverletzungen, die unter der Massgabe verübt würden, Terroranschläge zu verhindern, liessen die USA in der islamischen Welt in einem heuchlerischen Licht erscheinen. Die NAE erkennt an, dass Militär und Geheimdienste fleissig daran arbeiten, weitere Angriffe zu verhindern. Aber dabei dürfe man nicht Mittel anwenden, die die eigenen Grundwerte verletzen. Folter und Misshandlung seien unter anderem im irakischen Gefängnis Abu Ghraib vorgekommen, aber auch auf dem Fliegerhorst Bagram in Afghanistan und in Geheimgefängnissen der CIA. Die USA müssten sich an international anerkannte Rechtsnormen, die Menschenrechte und die Genfer Konvention halten.
Kritik an dem Anti-Folter-Papier üben führende Theologen des konservativ geführten Bunds der Südlichen Baptisten. Die 16,2 Millionen Mitglieder zählende und damit grösste protestantische Kirche der USA gehört der Allianz nicht an. Für den baptistischen Sozialethiker Prof. Daniel R. Heimbach (Wake Forest/Bundesstaat Nord Carolina) ist die NAE-Erklärung ein „Zerrbild“, das verwirre und den Einfluss der Evangelikalen auf die Gesellschaft schädige. Das Papier verurteile zwar Folter, definiere aber nicht, was damit gemeint sei, und bis zu welchem Punkt man gehen dürfe, um grösseres Unheil zu verhindern. Das Papier sei ein Dokument der Gefühle und nicht der Vernunft. Ähnlich äussert sich der Präsident des Theologischen Seminars der Südlichen Baptisten, Prof. Albert Mohler (Louisville/Bundesstaat Kentucky). Folter sei natürlich abzulehnen, aber man könne auch nicht ausschließen, dass unter Umständen solche Mittel unausweichlich würden.
Der Politikbeauftragte der NAE in Washington, Richard Cizik, sagte, die Erklärung dürfe nicht als pauschale Kritik an der Regierung von Präsident George W. Bush missverstanden werden. Man wolle aber die Welt wissen lassen, dass Evangelikale nicht akzeptierten, dass im Krieg gegen den Terrorismus der Zweck die Mittel heilige. Cizik hatte bereits mit seiner Unterstützung für den Umweltschutz Kritik aus konservativen Kreisen auf sich gezogen. Jetzt erklärte der gesamte NAE-Hauptvorstand, dass die Bewahrung der Schöpfung eine wichtige ethisch-moralische Aufgabe der Evangelikalen sei.
Prominente Vertreter der Konservativen wie der Vorsitzende der Organisation „Brennpunkt Familie“, James Dobson, der Präsident der Koalition für Amerika, Gary Bauer, und der Leiter des Familienforschungsrats, Tony Perkins, hatten erklärt, Cizik könne nicht für die gesamte evangelikale Bewegung sprechen, sondern nur für jenen Teil, der menschliches Handeln für den Klimawandel verantwortlich macht. Andere seien überzeugt, dass die Erwärmung auf natürliche Ursachen zurückgehe.
Einige konservative Evangelikale stört es, dass sich die NAE zunehmend gesellschaftspolitischen Themen zuwendet. Dadurch würden die geistlichen und moralischen Aufgaben vernachlässigt. Für Jan Markell, Gründerin des Missionswerks „Olivenbaum“ (Maple Grove/Bundesstaat Minnesota), kommt die Entwicklung nicht überraschend. Seit Jahren bewege sich die Allianz politisch immer weiter nach links. Der Missionsauftrag gerate dabei zunehmend ins Abseits. Quelle: idea online
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