Chemnitz: Schulschluss für Harry Potter
(28. März 2007/idea) - Der Zauberlehrling Harry Potter sorgt derzeit in Chemnitz für eine breite Debatte. Er hat Schulverbot erhalten.
Der Schulleiter des Kepler-Gymnasiums, Stephan Lamm, hatte die Lektüre aus dem Lehrplan genommen, nachdem zwei Elternpaare dagegen protestiert hatten. Sie fühlten sich als Christen verletzt, weil Magie in den Büchern grossen Raum einnehme.
Am Beispiel des ersten Harry-Potter-Bands sollte der Aufbau von Märchen und anderen fiktiven Geschichten besprochen werden. Weil die Schule die Gefühle der Eltern aber respektieren wolle, werde man die Potter-Bände nicht in der 5. Klasse behandeln, erklärte Lamm. Daraufhin regte sich nicht nur unter Eltern anderer Schüler Protest, sondern auch in Teilen der Bevölkerung.
Die Tageszeitung „Freie Presse“ druckte auf einer Doppelseite Leserbriefe zu der Auseinandersetzung. Die Meinungen reichten von Unterstützung für die Entscheidung des Schulleiters bis hin zu völligem Unverständnis.
Die schulpolitische Sprecherin der PDS-Fraktion im sächsischen Landtag, Julia Bonk (Dresden), nannte die Entscheidung Lamms einen „Akt der Selbstzensur“. Was an staatlichen Schulen gelehrt werde, dürfe nicht unter dem Vorbehalt der Zustimmung aller möglichen religiösen Glaubensrichtungen stehen.
Der Beauftragte für Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Harald Lamprecht (Dresden), erklärte, er könne die Aufregung nicht verstehen: „Bei Potter geht es ethisch hochanständig zu.“ Die Phantasie stehe im Vordergrund, und das sei nicht verwerflich.
Der Landesinspektor des Verbands Landeskirchlicher Gemeinschaften in Sachsen, Matthias Dreßler (Chemnitz), erklärte gegenüber idea, er habe die Bücher nicht gelesen. In einem Staat, in dem die Toleranz eines der höchsten Gebote sei, müsse es aber möglich sein, dass angesichts der Eltern-Bedenken ein alternatives Angebot gemacht werde.
Am Kepler-Gymnasium hat man sich nun darauf verständigt, dass Harry Potter in der fünften Klasse nur noch in Gruppenarbeit behandelt wird. Kinder, deren Eltern daran Anstoss nehmen, können in dieser Zeit andere Bücher lesen.
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