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Türkei: Ermordete Christen wurden beigesetzt
(24. April 2007/idea) – Die Ermordung von drei evangelikalen Christen in der Türkei hat Spuren hinterlassen. Unter teilweise grosser Anteilnahme der Bevölkerung sind die am 18. April zu Tode gefolterten Mitarbeiter eines christlichen Verlags in Malatya beigesetzt worden.
Der Deutsche Tilmann Geske (45), der seine Frau und drei Kinder hinterlässt, wurde am 20. April in seiner Wahlheimatstadt Malatya begraben. Geske lebte seit 1997 in der Türkei, davon die letzten vier Jahre in Malatya. Der Theologe arbeitete als freiberuflicher Übersetzer und Computerfachmann. Der Türke Necati Aydin (35) wurde am 21. April auf dem christlichen Friedhof in seiner Heimatstadt Izmir beigesetzt. Das dritte Opfer, Ugur Yuksel (32), war bereits einen Tag nach seiner Ermordung nach islamischem Ritus beigesetzt worden, da seine Eltern bezweifelten, dass er zum christlichen Glauben übergetreten sei.
Die Polizei hat inzwischen elf Tatverdächtige festgenommen. Die fünf gleich nach der Tat verhafteten 19- und 20-jährigen Männer lebten in einem islamischen Studentenheim. Auf Zetteln, die sie in ihren Taschen trugen, hatten sie erklärt: „Das soll den Feinden unserer Religion eine Lehre sein. Wir haben es für unser Land getan.“
Bei der Beisetzungsfeier für Aydin erneuerte der Vorsitzende des Vereins protestantischer Freikirchen in der Türkei, Ihsan Özbek (Ankara), seine Kritik am christlichenfeindlichen Klima. Die seit Jahren ausgestreute Saat der Intoleranz, des Rassismus und der Christenfeindlichkeit gehe auf. Christen würden verfolgt und lebten in Angst: „Wir werden als potentielle Kriminelle und Verräter präsentiert.“ Gegenüber der Presse gab sich Özbek besorgt: „Wir wissen sehr gut, dass die Morde von Malatya nicht die letzten gewesen sein werden.“ Dem türkischen Nachrichtensender NTV zufolge haben weitere christliche Einrichtungen Drohungen erhalten - drei Druckereien, ein Verlag und eine Radiostation.
Der Trauergottesdienst für Aydin sollte eigentlich in der früheren anglikanischen Kirche von Izmir stattfinden, die von der Baptistengemeinde genutzt wird. Wegen des grossen Andrangs musste der Gottesdienst jedoch im Freien stattfinden. Anstelle der erwarteten 300 Besucher kamen über 500, darunter auch politische Vertreter der Stadt Izmir. Aydin, ein ehemaliger Moslem, war mit dem Jesus-Film in der Türkei unterwegs. Im Osterprogramm des Fernsehsenders Turk-7 moderierte er eine Sendung über das Leben Jesu Christi. Im Oktober hatte er in Ankara ein Theologiestudium begonnen. Sein Sarg wurde unter den Klängen des Lieds „Die Güte des Herrn hat keine Ende“ in die Trauerfeier getragen. Aydin hinterlässt seine Frau und zwei Kinder.
Unterdessen reissen die Verleumdungen von Christen in türkischen Medien nicht ab. Eine Zeitung im Izmirer Stadtteil Buca denunzierte die dortige Baptistengemeinde: „Buca ist das neue Zentrum der Missionare und ihr Leiter ist Ertan Cevik. In der Kirche werden die Gehirne gewaschen und die jungen Menschen mit Geld angelockt. Die Christen machen die Studenten mit Rauschgift gefügig.“ Wie idea erfuhr, hat Cevik inzwischen Strafanzeige gegen den Autor gestellt. Seinem Antrag auf Polizeischutz für sich und seine Familie wurde sofort stattgegeben. Auch die Gottesdienste der Gemeinde werden von Sicherheitskräften geschützt.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die türkische Regierung zum Handeln aufgefordert. „Diese Morde sind Ausdruck einer nicht hinzunehmenden Intoleranz“, sagte sie der Zeitung „Münchner Merkur“. Der Vorfall habe aber keinen Einfluss auf die EU-Beitrittsverhandlungen der Türkei. Die Evangelische Allianz Berlin fragte den türkischen Botschafter in einem Schreiben, „welche Massnahmen zum besseren Schutz der Christen aller Kirchen die türkische Regierung in die Weg zu leiten gedenkt“. Eine Antwort steht noch aus.
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