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Neues Buch: Hitlers Gott

(28. Juni 2007/fa.) - In seiner Dissertation "Hitlers Kriegsreligion" zeigt der Religionssoziologe Thomas Schirrmacher auf, wie Adolf Hitler seine Weltanschauung auf ein bestimmtes, der Bibel völlig widersprechendes, Gottesbild gründete.

In seiner vierten Dissertation ‚Hitlers Kriegsreligion' vertritt der 47jährige evangelikale Theologe und Religionssoziologe Thomas Schirrmacher, dass Hitler seine gesamte Weltanschauung in Gott gründete, allerdings nicht in dem christlichen Gott, sondern in einem Kriegsgott, der sich aus einer Mischung von Evolutionismus, Naturverherrlichung, Antisemitismus und Nationalismus ergab.

Hitler habe nie versucht, seine Wähler mit einem scheinbar christlichen Gott zu ködern, sondern von Anfang an ein dezidiert nichtchristliches Gottesbild vertreten. Ohne diese religiöse Komponente sei, so Schirrmacher, Hitlers politisches Programm nicht zu verstehen. Man könne die Tausenden von Belegen für Anrufungen Gottes und religiöse Begründungen nicht einfach als Rhetorik abtun.

„Es ist erschreckend, dass Christen nicht erkannten, dass Hitlers Gott ein völlig anderer als der christliche Gott war“, so Schirrmacher bei der Vorstellung seines Buches. Besonders die ‚Frommen im Lande' seien wegen ihrer angeblichen politischen Abstinenz nicht nur auf Hitlers politische Parolen hereingefallen, sondern letztlich auf eine alternative Religion. Hitler habe viel vom Schöpfer gesprochen, der das Naturgesetz des Rassenkampfes geschaffen habe, nie aber vom Gott der Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Jesus erscheine zwar oft als das grosse Vorbild im Hass gegen die Juden, nie aber als Begründer der christlichen Botschaft oder als Gottes Sohn.

Die 1200 Seiten umfassende Forschungsarbeit an der Bonner Universität – die Hälfte davon besteht aus religiösen Hitlerzitaten – könnte 62 Jahre nach dem Tod Hitlers die Diskussion um das wahre Wesen des Nationalsozialismus und um das Verhältnis von Christentum und Nationalsozialismus neu beleben. Zwar wurde die These, dass der Nationalsozialismus auch eine Religion gewesen sei, schon häufiger vertreten, hier aber wird sie anhand von Tausenden von Hitlerzitaten und einer Analyse aller erhaltenden Reden und Schriften erdrückend ausführlich belegt und anhand eines Wörterbuches der religiösen Sprache Hitlers verifiziert.

Ungewöhnlich ist, dass der Autor für den Zitatband nicht nur die Abdruckrechte vieler Quellen, etwa der Tischgespräche Hitlers, erhielt, sondern auch die Abdruckrechte für viele Passagen aus Hitlers ‚Mein Kampf' vom Rechteinhaber, dem Freistaat Bayern, eine ‚Ehre', die nur wenigen Wissenschaftlern zuteil wird. „Es spricht für die Qualität der Arbeit und dafür, dass der Verfasser die Niederträchtigkeit von ‚Mein Kampf' in seiner Tiefe genügend abschreckend darstellt, dass Bayern seine sonst sehr restriktive Haltung aufgegeben hat“, so der Verlag.

Literaturangaben:
Thomas Schirrmacher. Hitlers Kriegsreligion. Die Verankerung der Weltanschauung Hitlers in seiner religiösen Begrifflichkeit und seinem Gottesbild. 2 Bände. VKW: Bonn, 2007. 1220 Seiten. Pb. ISBN: 978-3-938116-31-9



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