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Stadt aus der Richterzeit: 12 Meter dicke Mauern

(27. August 2007/rh.). - Am See Genezareth wird eine Stadt ausgegraben, die Einblick gibt, in das Alltagsleben der Menschen zur Zeit der Richter und der ersten Könige Israels und Judas.

Seit dem Jahr 2003 untersuchen Grabungsteams der Universitäten Mainz, Helsinki, Bern und Leiden gemeinsam den Tel Kinrot, den Ort des biblischen Kinneret. Die Ruinenstätte liegt am Nordwestufer des See Gennesaret in grosser Nähe zu den neutestamentlichen Orten Magdala und Kapernaum.

In diesem grössten europäischen Grabungsprojekt in Israel, an dem in diesem Jahr 70 Studierende und Forscher aus insgesamt 14 Nationen beteiligt sind, gelang es jetzt, für die Eisenzeit I (1150 bis 950 v.Chr.) ein höchst differenziertes Leben der antiken Bewohner nachzuweisen, das sich von den sonstigen Ortslagen im Land völlig unterscheidet.

Bislang galt diese Epoche als eine Zeit des Niedergangs. Alle grossen Städte des Landes wurden um 1200/1175 v. Chr. aufgegeben und verlassen. Der Grund hierfür war vor allem der Zusammenbruch des internationalen Handels, der in dem relativen armen Gebiet der südlichen Levante vorher zu einem gewissen Wohlstand geführt hatte. An Stelle der Grossstädte wie Hazor und Lachisch wurden im 12. Jh. v.Chr. kleine Dörfer im Bergland gegründet, die sich weitgehend selbst versorgten. In diesen kleinen Ortschaften sieht die derzeitige Forschung einen Kern des späteren Staates Israel, der von David und Salomo im 10. Jh. v.Chr. aufgebaut wurde.

"Angesichts der allgemeinen Fundsituation im ganzen Land stellen unsere Befunde eine kleine Sensation dar," meint Stefan Münger, einer der Grabungsleiter. "Wir werden in diesem Jahr unsere Arbeiten an den früheisenzeitlichen Schichten abschliessen und können eine sehr entwickelte Stadt in dieser Epoche nachweisen." Inzwischen wurden zwei grossflächige Felder mit je etwa 1000 Quadratmeter Fläche freigelegt, die einen sehr anschaulichen Einblick in das alltägliche Leben der Stadt zur Zeit der Richter und der ersten Könige Israels und Judas bieten.

"Einen Gebäudekomplex interpretieren wir als Bäckerei, denn wir haben dort allein drei Backöfen, Mühlsteine zur Getreideverarbeitung und vermutlich Getreidereste gefunden," ergänzt Münger. Auch ansonsten war das Leben hoch organisiert in dieser Stadt, die immerhin rund 10 Hektar gross war und in der früher rund 2500 Menschen gelebt haben dürften. In einem Haus gab es eine Olivenpresse, in einem anderen vielleicht eine Gerberei.

Die Stadt ist gut geplant. Die Strassen verlaufen jeweils schräg zum Hang, um das Wasser bei Regenfällen zum See hin abzuleiten. Die massive Stadtmauer mit bis zu 12,3 m Stärke machte die Ortslage fast uneinnehmbar. Die Stadt scheint stark vom Handel gelebt zu haben, denn an Hand der Keramik lassen sich Beziehungen vor allem nach Phönizien und Syrien, aber auch nach Zypern und selbst nach Ägypten nachweisen.

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