Hitler zerstörte Ehe und Familien
(12. September 2007/fa.) - Ihre Aussage, Hitlers Familienpolitik als positiv zu bezeichnen, kostete Eva Hermann ihre Stelle beim NDR. Aber - wie falsch lag sie eigentlich? Der Leiter des evangelikalen Instituts für Lebens- und Familienwissenschaft nimmt Stellung.
Angesichts der gegenwärtigen Diskussion über vermeintliche Familienwerte im Nationalsozialismus erklärte der Leiter des evangelikalen Instituts für Lebens- und Familienwissenschaften des Treffs Christlicher Lebensrechts-Gruppen, der Theologie und Soziologe Prof. Thomas Schirrmacher in einer Presseerklärung, dass Hitler in dem Vater nur den Krieger gekannt habe, also keinerlei Betreuungsaufgabe des Vaters für die Kinder. Er habe die Rolle der Mutter rein biologisch als Gebärerin und Pflegerin gesehen, um das Überleben des Nachwuchses und damit des Volkes und der Rasse zu sichern. Die eigentliche Erziehungsaufgabe und Betreuungsaufgabe habe Hitler (national-)sozialistisch beim Staat gesehen, weswegen er Kinderbetreuungseinrichtungen, Jugendverbände und Schulen gleichschaltete, die Kinder möglichst früh in NS-Organisationen zwang und mit ‚Kinderlandverschickungen' und ähnlichen Aktionen längere Zeit von den Eltern trennte.
Gegenüber Staat und Partei sei die Familie entrechtet worden, schreibt Thomas Schirrmacher. "In Ratgebern wurde Müttern geraten, früh abzustillen und auch sonst die Kinder möglichst wenig zu betreuen, damit sie stark würden. Hatten die Mütter erstmal Kinder zur Welt gebracht, konnten sie ruhig in der Kriegsindustrie arbeiten. Abtreibung der nicht Rassereinen war selbstverständlich, das sonstige Abtreibungsverbot diente nicht dem ungeborenen Leben, sondern dem Rassenkrieg."
Schirrmacher geht mit seiner Einschätzung sogar soweit zu sagen, dass der Nationalsozialismus am verbreiteten Zusammenbruch der Familie schuld gewesen sei. Er begründet das mit folgenden sieben Punkten:
1. alle nichtarischen Familien wurden bekämpft, bis hin zur physischen Ausrottung 2. angeblich rassische Mischehen wurden zur Auflösung gezwungen und tief in das Menschenrecht auf freie Partnerwahl eingriffen 3. alle arischen Familien wurden nicht mehr an irgendwelchen Familienwerten gemessen, sondern allein an ihrer Bedeutung für Volk, Rasse und Krieg 4. die Rolle der Mütter wurde auf eine biologische reduziert. Für die gefühlsmässig-seelische Seite der Elternschaft und das Selbständigwerden als Erziehungsziel hatte Hitler nur Hohn und Spott übrig 5. die Kinder wurden den Eltern möglichst früh entfremdet und in nationalsozialistische Organisationen und damit neuen ‚Vorbildern' und Autoritäten unterstellt 6. der Rassekrieg brachte die ‚vaterlose Gesellschaft' (Mitscherlich) erst hervor und zerstörte nicht nur in Deutschland, sondern auch bei den Kriegsgegnern Millionen Familien, was bewusst in Kauf genommen wurde 7. die Bedeutung der Ehe wurde hintan gestellt, indem Hitler den Gedanken eines ‚Kindes für den Führer' auch ohne feste Beziehung zu dem biologischen Vater (z. B. einem SS-Offizier) propagierte, was die Grundlage des Lebensborngedankens war 8. Hitler war verbal sehr frauenfeindlich
Erfahrungen mit Rechtsradikalen heute würden zeiten, so Schirrmacher, dass auch ihr Rassismus trotz häufiger Anrufung bestimmter Familienbilder familienzerstörerisch ist. Zum einen gelte das Familienglück immer nur für die Angehörigen des eigenes Volkes bzw. der eigenen Rasse, zum anderen stünden Volk und Staat über der Familie und die Familienpolitik müsse im Dienste der eigenen Ideologie Wohl und Wehe der Familien planen, statt den Eltern die Verantwortung für die Kinder zu überlassen.
Prof. Schirrmachers Ausführungen sind in einem erst vor kurzem erschienen Buch zu finden mit dem Titel "Hitlers Kriegsreligion", ISBN: 978-3-938116-31-9.
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