Kontakt   Newsletter   Impressum
   

    factum online RSS
  Infos zum RSS-Feed

Israel: Fall Dura wird neu aufgerollt

(17. September 2007/inn.) - Die israelische Armee will offenbar den Fall des
12-Jährigen Muhammad al-Dura, der vor sieben Jahren angeblich von israelischen Soldaten erschossen wurde, neu aufrollen. Die Zweifel daran, dass der Junge, wie in einem französischen Fernsehbericht dargestellt, von Israelis erschossen wurde, seien nie wirklich ausgeräumt worden, so die Armee.

Am 30. September 2000, zwei Tage nach dem Beginn der so genannten "Al-Aksa-
Intifada", lieferten sich israelische Soldaten und militante Palästinenser ein Strassengefecht an der Netzarim-Kreuzung im Gazastreifen. Der palästinensische Kameramann Talal Abu-Rahma filmte die Szene. In dem Bericht des französischen Fernsehsenders "France 2" heisst es, der 12-Jährige Al-Dura sei von israelischen Soldaten erschossen worden. Der Fall löste gewaltsame Proteste und weltweit Empörung aus. Al-Dura wurde zum Mythos der palästinensischen Intifada, sein Bild wurde auf Briefmarken gedruckt und
Strassen wurden nach ihm benannt.

Der Vertreter des Armeesprechers, Schlomi Am-Schalom, sandte einen Brief an den Korrespondenten des französischen Fernsehsenders "France 2" in Israel, Charles Enderlin. Darin bat er um den vollständigen Film zum Vorfall vom
30. September 2000. Enderlin hatte von insgesamt 27 Minuten Filmmaterial nur
55 Sekunden für einen Bericht verwendet.

Der Franzose Philippe Karsenty von der Medienbeobachter-Initiative "Media
Ratings" hatte zuvor bereits gerichtlich versucht, "France 2" zur Herausgabe
des vollständigen Filmmaterials zu bringen.

Der Sender und der Redakteur Enderlin klagten im Oktober vergangenen Jahres erfolgreich gegen Karsenty wegen Verleumdung. Karsenty hatte dem Sender 2004 in einem offenen Brief vorgeworfen, den Fall des Jungen al-Dura inszeniert zu haben. Er musste dem Sender sowie dem Redakteur eine symbolische Wiedergutmachung von je einem
Euro sowie 1.000 Euro Strafe und die Prozesskosten in Höhe von 3.000 Euro
zahlen.

Auch die deutsche Journalistin Esther Schapira zeigte in der Dokumentation
"Drei Kugeln und ein totes Kind - Wer erschoss Mohammed al-Dura?“, dass
viele Argumente dafür sprechen, dass der 12-jährige Junge durch palästinensische Munition getroffen worden sein könnte.

In seinem Brief an Enderlin schreibt Am-Schalom, dass die Armee in ihrer Untersuchung zu anderen Ergebnissen gekommen sei als die, die in dem französischen Bericht veröffentlicht wurden. Vieles an den damaligen Umständen sei immer noch unklar, etwa die Position der israelischen Soldaten, die Richtung der Schüsse sowie die Position des 12-Jährigen und seines Vaters. Alle Versuche, an das vollständige Filmmaterial zu kommen,
seien bislang gescheitert.

zurück

Das aktuelle Heft:
factum 3/2012


factum 3/2012
factum-Abo
efactum-App
Mithelfen und fördern!
ethos – suchen, finden, leben