|
Jeremia-Text durch Keilschrift-Tafel belegt
(26. September 2007/rh.) – Ohne speziell danach gesucht zu haben, machte der Wiener Altorientalist Michael Jursa im Britischen Museum in London einen Jahrhundertfund: Auf einer Tontafel entdeckte er den Namen eines Mannes, der im Buch Jeremia erwähnt ist.
Im Britischen Museum in London lagern Zehntausende 3000 Jahre alter Tontafeln aus dem Irak, dem einstigen Babylonien. Sie sind längst noch nicht alle entziffert.
Der Wiener Altorientalist Michael Jursa, der sich mit der Erforschung der Wirtschaftsgeschichte Babyloniens im ersten Jahrtausend vor Christus befasst, war im vergangenen Juni im Museum, um nach Daten und Fakten über die Wirtschaft aus jener Zeit zu forschen. Beim Sichten der Tontafeln stiess er auf einen Namen, den er aus dem Alten Testament kannte: Nabu-sharrussu-ukin.
Gemäss dem Text auf dem Täfelchen hat er im Jahr 595 vor Christus, im zehnten Regierungsjahr von König Nebukadnezar II. drei Viertel Kilo Gold für einen babylonischen Tempel gespendet.
In der Tat: Nabu-sharrussu-ukin wird in der Bibel erwähnt! Professor Jursas Fund untermauert die historische Wahrheit der Bibel. Im Buch Jeremia, im 39. Kapitel, wird in Vers 3 ein „Samgar-Nebu-Sar-Sechim“ erwähnt. Es handelt sich um denselben Namen in etwas anderer Schreibweise. „Dieser Nabu-sharrussu-ukin war einer der obersten babylonischen Heerführer und hat unter Nebukadnezar bei der Belagerung Jerusalems im Jahr 587 vor Christus eine wichtige Rolle gespielt“, erklärt Miachel Jursa gegenüber dem „Standard“.
Nach anderthalb Jahren Belagerungszeit war es den babylonischen Truppen gelungen, eine Bresche in die Stadtmauer zu schlagen. Nebukadnezars Heerführer, darunter Nabu-Sharrussu-Ukin, drangen in die Stadt ein, der jüdische König Zedekia floh. Eine Katastrophe traf sein Volk: Die Babylonier verschleppten die Juden und zerstörten den Tempel in Jerusalem.
Durch die neu übersetzte Tontafel wissen wir nun, dass Nabu-Sharrussu-Ukin als „oberster Eunuch“ bezeichnet wurde. Es sei damals üblich gewesen, hohe Hofbeamte zu kastrieren, erklärt Michael Jursa, da Männer ohne eigene Nachkommen gegenüber dem Herrscher als loyaler galten.
Jursas Fund ist eine eigentliche Sensation. Denn bis zu seinem Fund sind im Alten Testament erwähnte Personen, die nicht Könige waren, in keiner einzigen ausserbiblischen Quelle mit Sicherheit nachgewiesen worden. Nabu-Sharrussu-Ukin ist der Erste.
zurück
|
|
 |
© FACTUM ONLINE 2011 Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit
Genehmigung der Redaktion. |
 |
|
|
|
|
|
 |
 |