Kontakt   Newsletter   Impressum
   

    factum online RSS
  Infos zum RSS-Feed

Genom ist keine Müllhalde der Evolution

(29. SEptember 2007/tl.) - Im menschlichen Erbgut hat alles seinen Sinn und seinen Zweck.

Wissenschaftler bezeichnen das menschliche Erbgut (Genom) gerne als «Buch des Lebens», das mit drei Milliarden Buchstaben geschrieben wurde. Doch lesen können sie dieses «Buch» nicht, noch fehlt das Verständnis der Grammatik, mittels derer sich die Buchstaben zu Wörtern und Sätzen zusammenfügen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass dieses Ziel in weiter Ferne liegt.

Bislang ging man davon aus, dass nur drei Prozent der DNA effektiv in Proteine übersetzt werden («Translation») und damit aktiv sind, während 97 Prozent aus nutzloser «Junk-DNA» (engl. für DNA-Müll) bestehe. Jetzt entdeckten Forscher, die sich zu dem Projekt "Encode" (Enzyklopädie der DNA-Elemente) zusammengeschlossen haben, dass auch dieses vermeintlich nutzlose DNA-Material fast vollständig transkribiert, das bedeutet in RNA umgeschrieben, wird. Dieses Material wird also teilübersetzt, ist aktiv und keineswegs nur funktionsloser Restmüll.

Mit der Evolutionstheorie wäre es gut zu vereinbaren, dass funktionslose Relikte aus früheren Entwicklungsphasen weiter bestehen, solange sie der aktuellen Reproduktion nicht abträglich sind. Mit dem Gedanken an eine geschaffene Welt lässt sich die Vorstellung von nutzlosem Erbmaterial hingegen schwer vereinbaren. Offensichtlich hat alles, auch das vom Menschen Unverstandene, seinen Sinn und Zweck.

Eine weitere Erkenntnis der Forschergruppe ist, dass sich das Genom nicht in einzelne fest umrissene und begrenzte Abschnitte unterteilen lässt. Die Frage, was überhaupt ein Gen ist, wird wieder zum Gegenstand wissenschaftlicher Debatte. Bislang ging man davon aus, dass ein Gen Erbinformation ist, die in Boten-RNA umgeschrieben wird, damit daraus ein Protein entsteht.

Diese Information stimme nicht mehr, erklärte Ewan Birney, der Koordinator der Forschergruppe. Jetzt erkennen die Wissenschaftler, dass das gesamte Genom ein Kontinuum ist. Die verschiedenen Teile, auch das vermeintlich «tote Material», sind hoch aktiv und steuern das Erbgut.

Die Erkenntnisse des Encode-Projekts, an dem Wissenschaftler aus 80 verschiedenen Labors beteiligt sind, zeigen, dass die Vorgänge im Erbmaterial wesentlich komplexer sind als ursprünglich angenommen.

aus: factum 6/2007


zurück

Das aktuelle Heft:
factum 3/2012


factum 3/2012
factum-Abo
efactum-App
Mithelfen und fördern!
ethos – suchen, finden, leben