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Kontroverse um Rom bleibt
(02. Oktober 2007/idea) – Im Verhältnis zwischen evangelischer und katholischer Kirche ist nach der Stellungnahme des Vatikans vom 10. Juli, wonach die Protestanten keine Kirche im eigentlichen Sinne seien, der Ton inzwischen wieder freundlicher geworden, nachdem die EKD die Erklärung zuerst heftig kritisiert hatte. Aber die Grundpositionen sind unverändert kontrovers.
„Rom“ bleibt beim Anspruch, Kirche im eigentlichen Sinne zu sein. Dies ergab eine Tagung der Evangelischen Akademie zu Berlin vom 28. bis 30. September zum Thema „Zwischen Taufschein und Reich Gottes“.
Dabei verlas der Sekretär der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer (Bonn), einen Text des Vorsitzenden Karl Kardinal Lehmann (Mainz), der wegen einer Auslandsreise verhindert war. Danach ist „die frühere exklusive Gleichsetzung von katholischer Kirche mit der Kirche Jesu Christi aufgegeben worden“. Dadurch sei „der Weg frei zu einer Anerkennung echter Kirchlichkeit für die nichtkatholischen Christen“.
Zur vollen Kirchenzugehörigkeit kämen jedoch nur jene – so der Vatikan –, „die im Besitze des Geistes Christi ihre ganze Ordnung und alle in ihr eingerichteten Heilsmittel annehmen und in ihrem sichtbaren Verband mit Christus, der sie durch den Papst und die Bischöfe leitet, verbunden sind“. Es bleibe bei der Notwendigkeit, sich „der Leitungsvollmacht der Bischöfe und besonders des Papstes“ zu unterstellen.
Wie Langendörfer in der Diskussion sagte, habe die katholische Kirche nicht den Anspruch aufgegeben, Kirche im eigentlichen Sinne zu sein. Man habe den Orthodoxen den Begriff „Kirche“ angeboten und den Protestanten „kirchliche Gemeinschaft“.
Aus evangelischer Sicht erklärte dagegen der rheinische Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), das „alleinige Haupt“ der Kirche sei Jesus Christus selbst. Daneben seien keine Stellvertreter nötig. Sie könnten eher hinderlich sein – meinte der Präses unter Anspielung darauf, dass der Papst als Stellvertreter Christi verstanden wird. Kirche gebe es nur, weil Christus „lebt und sie ins Leben ruft und am Leben erhält“. Zum „Glied Christi“ mache nach evangelischem Verständnis weder die Kirche, noch könne man sich selbst dazu machen. Dies sei Christus selbst vorbehalten. Schneider: „An Christus lassen wir uns messen, aber nicht am Papst.“
In der Diskussion sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber (Berlin), zuerst habe es immer um Christus zu gehen, dann erst um die Kirche. Ob jemand das Heil erlange, hänge an Christus und nicht an Kirchengrenzen. Für den Frankfurter Philosophen Prof. Rainer Forst liegt die Differenz zwischen der katholischen und evangelischen Kirche „klar auf der Hand“. Die evangelische Seite sollte sich aber künftig die Frage an die katholische Seite ersparen: „Wollt ihr uns nicht auch als Kirche anerkennen?“ Laut Akademiedirektor Rüdiger Sachau befindet sich die evangelische Kirche in einer Phase, wo sie ihr „Selbstbewusstsein neu entdecke“.
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