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Kerner-Talk: Geplanter Abgang von Eva Herman

(10. Oktober 2007/fa.) – Johannes Kerner entliess Eva Herman vorzeitig aus seiner Sendung. In „Spiegel online“ nimmt ein Journalist kein Blatt vor den Mund: Dieser Abgang war programmiert.

Henryk M. Broder hat schon viele Essays wider den Zeitgeist geschrieben. Auch im Fall von Eva Herman, die von Johannes Kerner aus seiner Talkshow geschmissen wurde, bläst Broder nicht ins selbe Horn wie seine Kollegen: „Es war keine der üblichen Plauderstunden zu später Stunde, es war eine Tribunal mit Eva Herman in der Rolle der Angeklagten, Johannes B. Kerner als Ankläger und drei Geschworenen, zwei Frauen und einem Mann, die ihr Urteil schon vor Beginn der Verhandlung gefällt hatten.“

Broder beschreibt detailliert den Verlauf des Gesprächs und vor allem die entscheidenden Sequenzen. Zu einer Fragestellung von Kerner meint Broder: „Das war so fair, als würde man einen Nichtraucher und Vegetarier zu einem späten Verbündeten von Adolf Hitler erklären. Und da verlor sogar Eva Herman die Contenance. ‚Ich möchte nicht mehr Stellung nehmen’, sagte sie, ‚es sind auch Autobahnen gebaut worden, und wir fahren heute drauf.’“

Darauf antwortete der Moderator mit: „Autobahn geht nicht!". Die in der Runde sitzende Senta Berger drohte ebenfalls: "Ich gehe jetzt!", und Margarethe Schreinemakers meinte: "Das ist unerträglich!" Broder schreibt dazu: „Dabei war das der einzige Satz, den Eva Herman sagte, der richtig war und an dem es nichts auszusetzen gab. Dass er eine solche Empörung auslöste und schliesslich zu Hermans verfrühtem Abgang führte, zeigte nur eines: ‚Was trifft, trifft auch zu.’ (Karl Kraus)“

Der streitbare Publizist ergänzt, dass es nicht nur die Autobahnen seien, die zum „gerne und selbstverständlich benutzten Erbe des Dritten Reiches“ gehörten. Der Historiker Götz Aly habe in seinem Buch "Hitlers Volksstaat" an vielen Beispielen belegt, woher der Reichtum der Bundesrepublik komme und welche sozialen Regelungen von den Nazis übernommen wurden, darunter das sogenannte Ehegattensplitting und die Krankenversicherung für Rentner.
Broder folgert: „Wer sich heute glaubwürdig und nachhaltig von den Nazis distanzieren wollte, müsste nicht nur die Autobahnen meiden, sondern auch auf das Kindergeld verzichten, schliesslich wurden im Dritten Reich Ehestandsdarlehen gewährt, die durch die Geburt von vier Kindern vollständig getilgt werden konnten.“

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