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Die Lake-Missoula-Flut

(12. November 2007/rh.) - Die zerfurchten Scablands im US-Bundesstaat Washington galten als Produkt von zwei Millionen Jahren Eiszeit. Tatsächlich ereignete sich hier aber eine der gewaltigsten Flutkatastrophen der jüngsten Erdgeschichte.

Innerhalb weniger Tage wurden bis zu 300 Meter senkrechte Talwände ins Columbia-Plateau wie mit einem übergrossen Sandstrahlgebläse in Kilometergrösse herausgefräst. Die Lake-Missoula-Flut war eine der grössten Flutkatastrophen
in der jüngsten Erdgeschichte. Darüber hinaus ist mit ihr auch eine der spannendsten Kontroversen in der Geschichte der Geologie verbunden. Die Titelgeschichte von „factum“ 8/2007 erzählt sie nach.

Der Geologe J. Harlen Bretz investierte über 40 Jahre harte Gelände- und Überzeugungsarbeit, bis seine katastrophische Fluthypothese zur Entstehung der Channeled Scablands im Nordwesten der USA vom wissenschaftlichen Establishment anerkannt wurde. Nicht zuletzt waren es Ende der 1960er Jahre die ersten Satellitenaufnahmen, welche die letzten Zweifler überzeugten.

Die Megaflut, auch bekannt unter den Bezeichnungen «Spokane Flut» oder «Bretz Flut», ereignete sich während der Eiszeit. Ein dem mächtigen Eisschild vorgelagerter und in den Tälern der Rocky Mountains aufgestauter eiszeitlicher See brach durch seinen Eisdamm und entleerte sich innerhalb von nur etwa 48 Stunden. Nach Schätzungen schossen etwa 1700 km3 Wasser mit durchschnittlichen Geschwindigkeiten zwischen 50 bis 80 km/h in südwestlicher Richtung über das Columbia Plateau und gelangten über den heutigen Weg des Columbia Rivers in den Pazifischen Ozean. Die in den Ozean transportierte Wassermenge war 15-mal grösser als die Wassermassen aller Flüsse der Erde, die heute in zwei Tagen in die Meere fliessen. Der Missoula-Glazialsee enthielt 2260 km3 Wasser, was etwa der Hälfte des Volumens des heutigen Michigan-Sees entspricht. Zum Vergleich: Der Inhalt des Bodensees – drittgrösster Binnensee Europas – beträgt lediglich 48,4 km³.

Die Channeled Scablands und die damit verknüpfte Forschungsgeschichte
lehren uns, dass katastrophische Interpretationen zum Verständnis der geologischen Prozesse mindestens genauso hilfreich sind wie aktualistische. In den letzten Jahren wurden neuere Arbeiten (vgl. z. B. Busche et al. 2005) publiziert, die besonders die Gestaltung der Erdoberfläche mit flächenhaften – heute in dieser Form nicht mehr beobachtbaren – oft auch katastrophischen Prozessen erklären.

Lesen Sie den ganzen Beitrag in factum 8/2007.


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