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ZDF-Talk: Dawkins säte Zweifel

(16. November 2007) - Der britische Evolutionsbiologe und Atheist Richard Dawkins traf in der Sendung "Johannes B. Kerner" auf den Vorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, den katholischen Weihbischof Hans-Jochen Jaschke und den Politiker und Jesuiten Heiner Geissler.

Kommentar von Rolf Höneisen

Richard Dawkins wirft allen Religionen vor, Menschen zu Mördern zu machen, und verweist unter anderem auf Selbstmordattentate islamischer Fundamentalisten. Gott gebe es mit grosser Wahrscheinlichkeit überhaupt nicht, meint Dawkins. Die Vorstellung, dass es Gott gebe, sei absurd: ein Irrläufer der Evolution!

Judentum, Christentum und Islam sind für den Evolutionsbiologen alle gleich übel. Doch der Gott der Bibel ist für Dawkins die «unangenehmste Gestalt in der gesamten Literatur», eine «abstossende Gestalt», ein «psychotischer Übeltäter».

Dass Dawkins nicht die massenhaften Phänomene praktizierter esoterischer Unvernunft aufs Korn nimmt, sondern die Bibel, macht sein antichristliches Denken offenbar. Die Bibel ist für ihn die Quelle aller Übel, eine «chaotisch zusammengestoppelte Anthologie zusammenhangloser Schriften».

Der Mensch weiss um seine Verlorenheit aufgrund seiner Trennung vom Schöpfer. Es darf deshalb auch nicht verwundern, dass die Hauptangriffsziele der Atheisten dem Schöpfungswerk Gottes gelten, dem Weg der Erlösung durch Jesus Christus und der göttlichen Offenbarung in der Bibel.

Nur einmal kritisierte Huber die Evolution, indem er es ablehnte ein "Produkt des Zufalls" sein zu wollen. Dawkins entgegnete, die Rede vom Zufall sei falsch, die Evolution führe über Mutation und Auslese. Punkt. Niemand konterte. Damit war dieses Kernthema in der Auseinandersetzung mit dem Atheismus auch schon abgehakt!  

Ausweichend - um nicht ihren Ruf als aufgeklärte und gebildete Akademiker anzukratzen - gaben die Theologen schliesslich auch noch zu erkennen, dass sie sich selbst von „Fundamentalismus“ distanzierten und z.B. Kreationismus Unsinn sei.

Tatsächlich ging es an diesem Abend unverhofft um das Verständnis und die Auslegung der Bibel. Der britische Naturwissenschaftler wusste genau, wie er die deutschen Theologen herausfordern konnte. Als sie ihn wegen seiner Ablehnung religiöser Kindererziehung angriffen, konterte er mit der Frage, ob es denn nicht die Kirche sei, die mit Strafe und Hölle drohe: "Die Frage ist doch: Welche Teile der Bibel nimmt man aber wörtlich, welche lehnt man ab?" Und konkret sagte er: "Nehmen Sie etwa die Lehre von der Hölle. Das ist eine Drohung, die mit einem liebenden Gott nichts zu tun hat."

Während Heiner Geissler nichts davon wissen wollte und die Hölle nicht mit einem gütigen Gott zusammenbringen kann, wichen Huber und Jaschke aus. Man rede nicht mehr von der Hölle. Bischof Huber antwortete unklar: "Man muss den Leuten nicht androhen, dass sie in die Hölle kommen, weil sie sich einmal vor Gott zu verantworten haben. Dennoch darf es nicht so sein, dass wir uns das Bild eines niedlichen Gottes aneignen." Einmütig wurde erklärt, die Hölle habe für sie "keine grosse Bedeutung"; Jaschke meinte, ihre Existenz werde von der Kirche "eigentlich nicht" gelehrt.

Die europäische Theologie habe eben schon lange vor der Entdeckung der Neuen Welt wichtige Erkenntnisse gemacht. Die USA seien nicht Europa. So wollten sie Dawkins den Wind aus den Segeln nehmen. Dabei merkten sie nicht, wie sie durch ihre abschwächenden und ausweichenden Äusserungen kräftig am eigenen Ast sägten. Wo blieb der Ernst über der Tatsache, dass es bei der Frage nach Gott um Leben und Tod geht, um einen Kampf zwischen Licht und Finsternis? Wo war das Zeugnis für Jesus Christus? Wo das Bekennerwort zur Wahrheit der Bibel?

Dawkins musste sich erst an diese weich gespülte westeuropäische Theologie gewöhnen. Doch schliesslich frohlockte er: "Ich freue mich sehr darüber, dass Kirchen in Deutschland nicht mehr an die Hölle glauben und diese nicht mehr lehren. Doch in Südamerika oder den USA wird das immer noch gelehrt." Tatsächlich geht Dawkins von einem fundamentalen Glaubens- und Bibelverständnis aus, so wie er es in den USA mitbekommt, wo das biblische Wort weit mehr Gewicht hat.

Wohl brachten Huber und Jaschke gute philosophische Argumente für die Gottesbeziehung und -existenz, wie Liebe, Respekt vor dem Nächsten, Ethik oder Sinngebung. Doch die Grundpfeiler des Glaubens – Gott als der Schöpfer des Universums, Jesus als Erlöser von Schuld und Tod, die Bibel als Massstab für Glaube und Leben – diese Pfeiler hielten sie nicht hoch.

Zwar behielt der Atheist insgesamt nicht die Oberhand (wie sollte er auch beim ungleichen Verhältnis von drei gegen einen?) aber wer genau hinhörte, der musste Dawkins – jedenfalls im Rahmen dieser Gesprächsrunde – Recht geben als er meinte, die Bischöfe würden eben nur das aus der Bibel herauslesen, was ihnen passe.

Eine Orientierung für Suchende war diese Diskussion jedenfalls nicht. Richard Dawkins gelang es, Zweifel zu säen, die von den Kirchenvertretern nicht vom Tisch gewischt wurden. Dabei lädt uns der aggressiv und eindeutig vorgetragene neue Atheismus geradezu ein, Antworten in derselben Eindeutigkeit zu geben!

Das christliche Bekenntnis basiert nun einmal nicht in erster Linie auf einem Gefühl oder auf blindem Vertrauen, sondern darauf, dass Gott die Wahrheit ist; seine Existenz hängt nicht von menschlichen Argumenten ab und auch nicht davon, ob uns Gottes Botschaft gefällt oder nicht. Richard Dawkins jedenfalls scheute sich nicht, die Wahrheit für seine Weltsicht zu vereinnahmen, worauf ihm leider kaum widersprochen wurde.

Der Kommentarchef von "WeltOnline", Alan Posener, schrieb in seinem Kommentar zur Debatte: "Wenn der Abend bei Kerner dennoch intellektuell interessant war, so eben deshalb, weil die Ausführungen der Dawkins-Gegner klar machten, wie sehr die christliche Religion in Deutschland heute einerseits zur reinen Lebensphilosophie, andererseits zur Magd der Politik verkommen ist."

Die Atheisten greifen an



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