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Türkei: Eklat wegen Kreuz auf Fussballtrikots

(13. November 2007/rh.) – Die neuen Auswärtstrikots von Inter Mailand, die ein rotes Kreuz auf weissem Grund zeigen, lösen in der Türkei grösste Aufregung aus.

Das Wappen der lombardischen Hauptstadt Mailand zeigt ein rotes Kreuz. Genau dieses ziert neuerdings in ganzer Grösse die neuen Leibchen der Spieler des traditionsreichen Stadtclubs Inter.

In der Türkei führten diese Trikots für grosse Aufregung. Als Inter Mailand gegen ein Team aus Istanbul antrat, erstattete ein Anwalt aus Izmir Anzeige gegen Fifa und Uefa wegen Rassimus.

Das Kreuz erinnere an die blutigen Tage der Vergangenheit, meinte Rechtsanwalt Baris Kaska aus Izmir. Als er das Champions-League-Rückspiel Fenerbahce Istanbul gegen Inter Mailand gesehen habe, habe er "einen schrecklichen Schmerz in der Seele verspürt", sagte er gegenüber der spanischen Zeitung "La Vanguardia". Mit dem Tragen des vermeintlichen Kreuzritter-Zeichens werde die "rassistische Überlegenheit einer Religion gezeigt". Das habe der Fussball-Weltverband zu verantworten.

Anwalt Kaska fordert deshalb nicht allein ein Bussgeld, sondern auch, dass das Spiel im Nachhinein annulliert und Inter Mailand drei Punkte abgezogen werden.

Beim Rückspiel am 27. November im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion waren die Mailänder tatsächlich in die vermeintlichen „Kreuzritter“-Shirts geschlüpft. Damit lösten sie in der Türkei einen Entrüstungssturm aus. "Wie konnte die Uefa dies zulassen?", fragte die türkische Zeitung "Radikal". Landesweit griffen zahlreiche weitere Medien das Motiv auf und ergänzten es mit dem Bild eines Kreuzritters, der Ende des elften Jahrhunderts zur Befreiung des "heiligen Landes" gen Jerusalem aufbricht, um es von den Muslimen zu befreien.

Inter Mailand gewann das Spiel gegen Istanbul mit 3:0. Was man als nebensächliche Posse bezeichnen könnte, hat im Zusammenhang mit dem allfälligen EU-Beitritt der Türkei, durchaus beachtenswerte Brisanz und zeigt die gereizte Stimmung im islamischen Staat auf.

Tatsächlich wird bei der schrecklichen Ermordung von drei Christen im letzten April in Malatya wird inzwischen offen gefragt, ob allenfalls sogar die Polizei selbst von der verwerflichen Tat gewusst haben könnte. So hat das türkische Innenministerium am 8. Dezember eine Untersuchung angeordnet, in der aufgeklärt werden soll, ob es Kontakte zwischen den fünf Angeklagten und Angehörigen der Polizei, des Militärs und der Staatsanwaltschaft gegeben hat.

Nach türkischen Presseberichten über schlampige Ermittlungen im Vorfeld des Mordprozesses versicherte Innenminister Besir Atalay, man werde die Transparenz erhöhen und gegebenenfalls juristisch gegen Beamte vorgehen, die sich schuldig gemacht hätten.

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