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Islamistische Endzeit?

(13. Dezember 2007) - Kaum hat sich die Welt ein wenig vom Schrecken über die verheerenden Explosionen in Algier erholt, da krachte in Beirut eine verheerende Autobombe beim Präsidentenpalast. Seit den gefürchteten «Höllenmaschinen» der Anarchisten im 19. Jahrhundert war der Erdball nie mehr so verunsichert. Und das knapp vor Weihnachten!

Kommentar von Heinz Gstrein*

Natürlich können sich die anarchistischen Zünd- und Brandsätze von einst nicht mit den furchtbaren heutigen Sprengladungen vergleichen. Ein und dieselbe ist jedoch die Zielsetzung von Nihilisten und Islamisten geblieben: Die Destabilisierung jeder konstruktiven Lösung politischer und sozialer Gegensätze und die Beschwörung eines chaotischen, womöglich apokalyptischen Grauens.

In Algerien wie Libanon versucht Al-Kaida, die Beruhigung der radikalen Moslemszenen zu unterlaufen. Der altgediente Diplomat Bouteflika hat es in Algier seit seiner Wahl zum Präsidenten geschickt verstanden, den Aufruhr der Islamischen Heilsfront und der «Salafiten für Predigt und Kampf» zu beruhigen. Sechzehn Jahre blutiger Kämpfe mit über 200‘000 Opfern gingen zu Ende, wogegen die Kaida mit den ersten Anschlägen auf die Wagenkolonne des Präsidenten und jetzt auf Regierungs- und UN-Büros in der Hauptstadt gebombt hat.

In Beirut wiederum steht mit der Wahl eines gemeinsamen Staatschefs der Ausgleich zwischen Christen und pro-iranischen Moslems bevor. Ein Grund, am Präsidentensitz Baabda Tod und Verderben zu säen.

Was wir heute erleben, ist gar kein Kampf für die islamische Weltherrschaft mehr. Die Drahtzieher hinter den modernen Höllenmaschinen sind auf globale Vernichtung aus, ein Alptraum, der sich mit ihrem Zugriff auf immer gefährlichere Sprengstoffe steigert.

* Heinz Gstrein, Dr. phil,. ist promovierter Orientalist und ausgebildeter Theologe. Er lebte jahrzehntelang als Korrespondent von Radio DRS und NZZ in der islamischen Welt und ist Verfasser zahlreicher wissenschaftlicher Abhandlungen und Sachbücher zum Thema Islam. Heute lebt er bei Zürich und lehrt an den Universitäten Wien und Bratislava Balkantürkische Geschichte und Kultur sowie Osmanisch-Islamisches Recht.

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