Der Sarkophag von Herodes
(17. Dezember 2007/fa./jg.) - Israelische Archäologen haben den zerstörten Sarkophag des biblischen Königs Herodes entdeckt.
Nach dem Matthäus-Evangelium hat Herodes den Kindsmord von Bethlehem angeordnet. Es ist ausserbiblisch belegt, dass Herodes den Menschen der Region als "Marionette Roms" verhasst war. Deshalb zerstörten jüdische Rebellen 70 Jahre nach seinem Tod sein Mausoleum in der Machtzentrale, dem sogenannten Herodium.
Lange Zeit nahmen Forscher an, seine Grabstätte müsse auf dem mittlerweile überbauten ehemaligen Königsfriedhof am Fusse eines Hügels liegen. Tatsächlich fand man vor einiger Zeit den zerstörten Sarkophag weiter oben. (factum berichtete in Ausgabe 4/2007). Von den kostbaren Grabbeigaben, die der Geschichtsschreiber Flavius Josephus erwähnt, konnte das Entdecker-Team um Ehud Netzer von der Hebrew University jedoch nichts mehr entdecken. Auch das Skelett des Herodes ist verschwunden.
Viel ist auch vom Grabmal dessen, der wie kein anderer Baumeister das Land Israel für Jahrtausende geprägt hat, nicht übrig geblieben. Vom Sarkophag wurden lediglich Bruchstücke gefunden. "Hier hat jemand mit grosser Wut zugeschlagen", meinte Archäologe Netzer. Er vermutet, dass das Grabmal während der Zeit des jüdischen Aufstands gegen die Römer Anfangs der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts nach Christus zerstört wurde, als im Herodion die Führung der jüdischen Freiheitskämpfer ihren Sitz hatte.
Herodes war ein Konvertit der zweiten Generation und wurde von vielen seiner Zeitgenossen der Kollaboration mit der römischen Besatzungsmacht beschuldigt. Die Unbeliebtheit des Königs lag einerseits an seiner edomitischen Abstammung und seiner Nähe zu den Römern. Dass er im Jahre 37 vor Christus vom Senat in Rom den Titel "König der Juden" erhalten hatte, konnte auch der Ausbau des Tempels in Jerusalem zu einem unvergleichlichen Prunkbau in den Augen des jüdischen Volkes nicht wettmachen.
Anderseits war der Judenkönig von Roms Gnaden berüchtigt, weil er keine Grausamkeit scheute, um seinen Machtanspruch zu behaupten. Das Neue Testament berichtet den Kindermord von Bethlehem, nachdem sich "Weise aus dem Morgenland" bei Herodes nach einem "neugeborenen König der Juden" erkundigt hatten (Matthäus 2).
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