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Religion stirbt nicht aus
(17. Dezember 2007/idea) – Die Religion stirbt nicht aus. Ob sie aber, wie oft behauptet, eine Wiedergeburt erlebt, kann aufgrund der bisher detailliertesten repräsentativen Erhebung nicht belegt werden, weil Vergleichszahlen aus früheren Jahren fehlen.
Der jetzt veröffentlichte „Religionsmonitor“ der Bertelsmann Stiftung (Gütersloh) hat aber „eine grosse Stabilität des religiösen Bewusstseins in breiten Bevölkerungsschichten“ offenbart, das sehr vielfältig sei, so Projektleiter Martin Rieger (Gütersloh).
Im Sommer hatte die Stiftung über 21.000 Personen in 20 Ländern zu ihrer religiösen Einstellung befragen lassen. In der deutschen Bevölkerung sind danach Glaube und Religiosität stärker verbreitet, als meist vermutet werde. Rund 70 Prozent der Erwachsenen stuften sich als religiös ein; nahezu jeder Fünfte sei hoch religiös. Sie besuchen regelmässig Gottesdienste, beten häufig und beschäftigen sich intensiv mit religiösen Fragen. Besonders viele tief Religiöse gibt es unter den Katholiken. Mit 27 Prozent sind es fast doppelt so viele wie bei den Protestanten. Lediglich 28 Prozent der Bevölkerung weisen in ihrem persönlichen Leben keine religiösen Dimensionen auf.
Überraschend: Trotz einer weit reichenden Entkirchlichung in den östlichen Bundesländern sind die Menschen dort religiöser, als oft vermutet wird. Zwar gehören mehr als zwei Drittel (68 Prozent) keiner Religionsgemeinschaft an (Westen: 15 Prozent), doch gaben 44 Prozent der Ostdeutschen an, oft oder gelegentlich über religiöse Themen nachzudenken. 48 Prozent haben grundsätzlich Interesse an religiösen Fragen.
Die Vorstellung, dass der Mensch im Alter frömmer wird, während die jungen Leute meist dem Glauben fern stehen, trifft der Studie zufolge nicht zu. Nur jeder Dritte der 18- bis 29-Jährigen ist nicht religiös. Hingegen glauben 41 Prozent an Gott und an ein Weiterleben nach dem Tod. Das ist ein höherer Anteil als in jeder anderen Alterstufe. Von den über 60-Jährigen gehen 18 Prozent mindestens einmal pro Woche in den Gottesdienst. Jeder Fünfte bezeichnet sich als religiös.
Mehr als jeder Dritte (37 Prozent) glaubt, dass es kein Leben nach dem Tod gibt. Am öffentlichen religiösen Leben nehmen die Jüngeren auch nicht weniger Anteil als die Älteren. 14 Prozent der 18 bis 29-Jährigen sehen den regelmässigen Gottesdienstbesuch als wichtig an und sind dort sogar häufiger anzutreffen als ihre Eltern.
Die Mehrheit der Deutschen stellt sich Gott als ein liebendes, gütiges Wesen vor. Am häufigsten verbinden die Gläubigen mit Gott Gefühle der Dankbarkeit, der Hoffnung, Freude und Liebe. Es folgen Vorstellungen von Geborgenheit, Hilfe, Ehrfurcht und Gerechtigkeit. Deutlich weniger verspüren bei dem Gedanken an Gott Verzweiflung, Angst oder die Befreiung von Schuld; noch weniger verbinden mit ihm Zorn. Den grössten Einfluss hat der Glaube bei einschneidenden Lebensereignissen wie Geburt, Hochzeit oder Tod und im Umgang mit der Natur.
Hier hat der Glaube für 65 Prozent der Religiösen einen klaren oder sogar sehr starken Einfluss. Deutlich weniger Auswirkungen hat er dagegen auf Freizeit und Arbeitswelt oder politische Überzeugungen und am wenigsten auf die Sexualität. Religiosität wirkt sich aber im gesellschaftlichen Engagement aus. 19 Prozent der Nichtreligiösen und 26 Prozent der durchschnittlich Religiösen üben ein Ehrenamt aus. Bei den hoch religiösen Bürgern sind es 43 Prozent.
Im internationalen Vergleich entspricht die Haltung der Deutschen zur Religion einem westeuropäischen Trend. Einen grösseren Anteil religiöser Menschen weisen die Schweiz, Italien und Polen auf, einen geringeren Frankreich und Grossbritannien. Europäer liegen aber, was den Glauben angeht, weit hinter anderen Ländern zurück.
Zu den religiösesten gehören Nigeria, Brasilien, Indien und Marokko mit über 96 Prozent Gläubigen. Weit vor den Europäern liegen die US-Amerikaner. Dort sind 89 Prozent der Bevölkerung religiös, 62 Prozent sogar besonders religiös. Am schwächsten verbreitet ist der Glauben in Russland. Nur jeder zweite Russe ist religiös; 7 Prozent sind sehr religiös.
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