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Die Liebe vertreibt die Angst

(24. Dezember 2007/rh.) - Kürzlich diskutierte ich mit einem Ökonomen. Für ihn ist klar, dass die freie Marktwirtschaft die Regeln der Welt am besten beachtet und Freiheit und Fortschritt gewährleistet.

Mein Gesprächspartner meinte, dass der Mensch, als erfolgreicher Emporkömmling aus dem Tierreich, sich durchzusetzen versuche, um höher zu kommen. Nachwuchs werde nur gezeugt, um die eigenen Gene weiterzugeben. Gesteuert von den Mechanismen der Evolution jage und sammle sich der Mensch durchs Leben. Mein Gegenüber redet sich ins Feuer. Mit jedem Satz unterstreicht er seine Argumentationslinie wie mit einem dicken Stift. Lange höre ich zu und versuche seine Gedanken nachzuvollziehen. Schliesslich frage ich: «Was meinst du – was treibt den Menschen eigentlich an?» Seine Antwort überrascht: «Es ist die Angst ...» – Volltreffer!

Unter allem Schönreden und Grosstun lebt und leidet der Mensch unter der Angst, alles zu verlieren, was er gejagt und gesammelt hat: Kinder, Partner, Ansehen, Job, Haus, Gesundheit, Vermögen, Leben ... Tatsächlich verlieren wir – spätestens mit dem Tod – alles. «Welt ging verloren.» Glauben wir ruhig, was wir an Weihnachten singen! Das Anti-Angstmittel ist Liebe. Ohne Liebe ist alles nichts. «Wenn ich meinen Leib hingebe, damit ich verbrannt werde, aber keine Liebe habe, so nützt es mir nichts» (vgl. 1. Kor. 13). Wo Liebe ist, weicht die Angst. Der Ehrliche wird jetzt allerdings zugeben, dass menschliches Liebsein-Wollen nicht weiter bringt. Der Egoismus durchtränkt unser Trachten und Tun. Die nötige Liebesqualität finden wir nicht in uns selbst und auch nicht in Kultur und Wissenschaft. Dennoch brauchen wir Liebe, um zu leben!

Die Liebe muss von aussen in unsere Welt kommen, unter uns leben und in uns geboren werden. Dann weicht die Angst und die Verlorenheit wendet sich zur Gewissheit des ewigen Lebens. Das weiss Gott. In Christus ist die Liebe in die Welt gekommen. «Denn Gott hat der Welt seine Liebe dadurch gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat und nicht verloren geht. Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, um sie zu verurteilen, sondern um sie durch ihn zu retten» (Johannes 3,16 und 17, NGÜ). Die Angst, alles zu verlieren, weicht der Gnade der Erlösung. Glücklich der Mensch, der sein Leben Christus anvertraut.

Das war es: Die Liebe fehlte in der Argumentationskette meines Gesprächspartners! Seine ökonomischen Regeln basieren auf einer erbarmungslosen Theorie, die dem Gewitztesten und Stärksten Vorteile verschafft; selbst Liebesäusserungen dienen in diesem System eigenen Absichten. Eine ganz andere Basis bildet die Schöpfung. Hinter ihr steht ihr Erfinder und Erhalter. Er sieht die Angstgetriebenen und Verlorenen. Schliesslich kann er nicht mehr anders, als sich selbst hinzugeben für sie. «Der tiefste Grund für unsere Zuversicht liegt in Gottes Liebe zu uns (...)» (1. Joh. 4,19a, NGÜ). «Welt ging verloren, Christ ist geboren.» Die Liebe ist in die Welt gekommen. Die Angst muss weichen. Freude kommt auf! Als Geliebte Gottes sind wir frei, den Nächsten zu lieben. „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat» (1. Joh. 4,19b, NGÜ).

Weihnachten erinnert uns nicht allein daran, dass Christus in der Vergangenheit auf die Erde gekommen ist, sondern auch daran, dass er in der Zukunft wiederkommen wird.
Rolf Höneisen

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