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Konservative Anglikaner bilden eigene Strukturen

(03. Juli 2008/idea) – Der Streit in der anglikanischen Weltgemeinschaft hat sich weiter verschärft.

Der theologisch konservative Flügel hat Ende Juni eigene Strukturen beschlossen, darunter die Einsetzung eines Bischofsrates als Gegenstück zu der am 16. Juli im südenglischen Canterbury beginnenden Weltbischofskonferenz, der so genannten Lambeth-Konferenz. Dies ist das Ergebnis einer einwöchigen Zukunftskonferenz GAFCON in Jerusalem, an der rund 1.000 konservative Geistliche vor allem aus der Dritten Welt teilnahmen, darunter fast 300 Bischöfe. Sie repräsentieren etwa die Hälfte der weltweit rund 70 Millionen Anglikaner.

Wichtigster Streitpunkt ist der Umgang mit Homosexualität. Obwohl die letzte Weltbischofskonferenz 1998 festgestellt hatte, dass praktizierte Homosexualität mit der Bibel und der Kirchenlehre unvereinbar sei, weihte die anglikanische Episkopalkirche in den USA im Jahr 2003 den in einer schwulen Partnerschaft lebenden Geistlichen Gene Robinson zum Bischof. Die kanadischen Anglikaner beschlossen, gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu segnen. Die evangelikalen Anglikaner sehen darin einen klaren Verstoss gegen die Bibel und die Kirchengemeinschaft. Ihrer Ansicht nach wird „unter dem Einfluss von militantem Säkularismus und Pluralismus“ das Zeugnis der Kirche insgesamt gefährlich geschwächt.

In der „Jerusalemer Erklärung“ zum Abschluss der GAFCON-Konferenz kündigen die Evangelikalen ferner die Einrichtung einer eigenen Kirchenprovinz in Nordamerika an, damit Kritiker der dort vorherrschenden liberalen Linie eine Anlaufstelle bekommen. Dem geistlichen Oberhaupt der Weltkirche, dem Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams (London), werfen sie Führungsschwäche vor. Dieser habe mit seiner ausgleichenden Strategie, es allen recht machen zu wollen, „am Ende alle verprellt“, kritisierte der ugandischen Erzbischof Henry Orombi (Kampala) in Jerusalem. Nach Angaben der Nachrichtenagentur CNS gehören zum neuen Bischofsrat ferner die Erzbischöfe von Kenia, Nigeria, Ruanda, Westafrika, Australien und dem Südlichen Lateinamerika.

Die meisten GAFCON-Teilnehmer wollen auch die Lambeth-Konferenz boykottieren. Man werde abwarten, was Lambeth zu den strittigen Themen beschließen werde, hieß es. Nach Ansicht von Beobachtern werden die GAFCON-Teilnehmer Mühe haben, deutlich zu machen, dass ihre Entscheidungen keine Kirchenspaltung bedeuten. In der kirchlichen Wirklichkeit laufe es nämlich darauf hinaus. 

Inzwischen unterstützten rund 800 englische Geistliche und führende Laien der anglikanischen „Kirche von England“ die „Jerusalemer Erklärung“. Dies werten Beobachter als ersten Schritt auf dem Weg zu einer „Kirche in der Kirche“. Eine förmliche Spaltung der „Kirche von England“ könne es allerdings nicht geben, da sie als Staatskirche der Autorität der englischen Königin untersteht. Die Kirche hat rund 25 Millionen Mitglieder. Die englischen Kritiker des Kirchenkurses wehren sich ausserdem gegen die Ordination von Frauen zu Bischöfinnen.

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