«Echter Glaube ist kraftvoll»
(29. August 2009/rh.) - Kurde, Kommunist, Christ. Der Literaturwissenschaftler Nasseh Abdelkarim besuchte die Lager der Taliban. Jetzt lebt er als Asylsuchender in der Schweiz.
factum: Sie sind als Kurde im Irak aufgewachsen. Sind Sie ein Muslim? Abdelkarim: Nein. Ich stamme aus einer kurdischen Familie, die keine Religion hochhielt. Wir waren Kommunisten. Trotzdem steht in unseren Pässen, dass wir Muslime sind.
factum: Das heisst, wer im Irak geboren wird, ist Muslim? Punkt. Abdelkarim: Ja. Es ist nicht erlaubt, keine Religion zu haben. Als Kommunist verfolgte ich meine politischen Ideen.
factum: Sie studierten Literatur und Geschichte. Abdelkarim: Ich studierte arabische Sprache und Literatur sowie persische Literatur, insgesamt acht Jahre, vier Jahre in Sulemaneia und vier Jahre in Arbil. Im Jahr 2001 schloss ich mein Studium ab. Eine religiöse Orientierung hatte ich bis damals nicht. Mit meinen Ansichten stand ich aber im Widerspruch zu den radikalen Muslimen und war in ständiger Gefahr. Der Islam hat eine fanatische Ausrichtung. Unterlagen die Islamisten mit ihren Argumenten in politischen Diskussionen, drohten sie uns gleich mit dem Tod. Von normalen politischen Prozessen hatten sie kaum eine Ahnung.
factum: Was machten Sie nach dem Studium? Abdelkarim: Für ein Jahr unterrichtete ich an der Universität von Sulemaneia. Da ich die arabische Geschichte studiert hatte, wollte ich die Schauplätze dieser Geschichte kennenlernen. Deshalb reiste ich so viel ich nur konnte. So kam ich in über zwanzig asiatische Staaten. Der Herr hat mich gesegnet, dass ich ihn schliesslich in Pakistan kennenlernen durfte. Ganz besonders interessierte mich das Thema Terrorismus. Ich versuchte, mit Terrorgruppen ins Gespräch zu kommen, weil ich verstehen wollte, warum sie auf Gewalt setzten. Und zwar deshalb, weil immer betont wurde, der Islam sei eine Religion des Friedens.
factum: Kamen Sie dabei auch in die Zentren der Islamisten in Pakistan und Afghanistan? Abdelkarim: Ja, ich war in beiden Ländern. In Pakistan ging ich direkt ins grösste islamische Ausbildungszentrum in Lahore. Von hier aus werden Menschen in die ganze Welt gesandt, um den Islam zu verbreiten. Ich besuchte den Zentrumsleiter und diskutierte mit ihm. Wie mir sein Umfeld bestätigte, waren meine Argumente gut. Doch hinter meinem Rücken wurde die Geheimpolizei beauftragt, mich festzunehmen. Ich musste untertauchen. Schliesslich besuchte ich pakistanische Christen, um zu beobachten, wie sie leben und handeln. Zum ersten Mal in meinem Leben besuchte ich eine Kirche. Sie war von Amerikanern geführt.
factum: Was erlebten Sie bei den Christen? Abdelkarim: Ich stellte fest, dass sie sich für die Armen einsetzten, und lernte den Gemeindeleiter, Pastor Jimmy, einen Kalifornier, kennen. Er nahm mich sehr ernst, wir diskutierten viel und ich musste ihm versprechen, ihn wieder zu besuchen. Anschliessend ging ich noch in eine anglikanische Kirche und besuchte einheimische Gemeinden. Ich merkte, dass ein grosser Unterschied zwischen Christen und Muslimen besteht. Bei den Christen erlebte ich Nächstenliebe.
factum: Wurde Ihnen auch gesagt, was das Christentum ausmacht? Abdelkarim: Pastor Jimmy sagte mir, jeder Mensch müsse einen Weg finden, wie er in eine Beziehung zu Gott kommt. Dieser Gedanke war mir neu. Ich versprach ihm, seine Worte ernst zu nehmen. Er schenkte mir eine Bibel, die ich regelrecht verschlang. Ich versprach dem Pastor, den Christen zur Seite zu stehen. Denn sie hatten Angst wegen des islamistischen Terrors. Kirchen wurden in die Luft gesprengt, Christen ermordet. Pakistan ist ein Zentrum des islamistischen Terrors.
factum: In Afghanistan dürften die Zustände kaum besser sein ... Abdelkarim: Im Jahr darauf reiste ich nach Afghanistan. Auch dort suchte ich Christen auf und ging sogar mit, um zu evangelisieren. Und sie fragten mich, warum ich mich ihnen nicht ganz anschliessen wolle. Aber ich wollte meine Arbeit weiter alleine tun. Wir besuchten viele verängstigte Menschen und etliche erkannten die Wahrheit und begannen, an Jesus zu glauben. Sogar einige sehr einflussreiche Islamisten – Talibanführer – konvertierten und glauben jetzt an Jesus.
factum: Talibanführer wurden Christen? Abdelkarim: Ja, einer davon war acht Jahre lang Kommandant einer Truppe von Talibankämpfern und gehörte zu den Vertrauten von Osama Bin Laden. Gott sei Dank dient er heute Christus und arbeitet in einem christlichen Zentrum! (...)
Lesen Sie das ausführliche Interview in factum 6/2008.
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