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Klimasprünge in der letzten Eiszeit
(29. August 2009/rh.) - In der Eiszeit kam es zu raschen Klimawechseln im Norden. Klimaforscher suchen nach den Ursachen.
Wie Untersuchungen eines Forscherteams aus den Niederlanden, dem Alfred-Wegener-Institut für Polar-und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft, Bremerhaven, und dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Kiel, ergaben, kam es während der letzten Eiszeit (nach herkömmlicher Datierung 80000 bis 10000 vor heute) zu abrupten und heftigen Klimasprüngen. Innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten wechselten sich kältere und wärmere Phasen ab. Diese Klimawechsel waren vor allem in höheren Breiten im nordatlantischen Raum sehr ausgeprägt. In Grönland wurden massive kurzfristige Abkühlungen von bis zu 15 Grad registriert. Das jedenfalls lesen die Forscher aus Meeressedimenten und grönländischen Eisbohrkernen. Weil diese Klimawechsel nicht auf den Menschen als Verursacher zurückgeführt werden können, muss nach anderen Ursachen geforscht werden. Welcher Mechanismus führte während der Eiszeit zum raschen Umkippen des Klimas? Die Wissenschaftler führen die Klimasprünge mehrheitlich darauf zurück, dass die thermohaline Zirkulation des Ozeans instabil werden kann: Erhöhte Niederschläge, Eisberge und Schmelzwassereinträge im Nordatlantik verringern den Salzgehalt und die Dichte des Oberflächenwassers, dies reduziert die Bildung von nordatlantischem Tiefenwasser und ein Nachströmen von warmen, oberflächennahen Wassermassen durch den Golfstrom. Wird dieser deutlich verringert oder setzt er als Wärmepumpe aus, kommt es zu massiven Abkühlungen im Nordatlantik und in Nordeuropa.
Wird während der Wintermonate ein Schwellenwert überschritten, könnte dies zu einer grossräumigen Ausdehnung des Meereises führen. Die damit verbundene Zunahme des reflektierten Sonnenlichts würde den Abkühlungseffekt nochmals verstärken – ein Zustand, der während der Sommermonate anscheinend wieder kompensiert wird. «Wir sehen anhand der Ergebnisse eine Jahreszeitendynamik, die wir uns kaum vorstellen können. Derartige Kontraste zwischen Sommer und Winter sind bei uns in Zukunft allerdings nicht zu erwarten», meint Prof. Ralf Tiedemann vom Alfred-Wegener-Institut.
«Vor dem Hintergrund des prognostizierten Klimawandels ist es aber wichtig, dass wir jahreszeitliche Klimaänderungen, ihre Schwankungsbreite und ihre Anfälligkeit verstehen.» So weit sind die Modelle aber noch lange nicht. Tiedemann: «Eine solche Dynamik stellt grosse Herausforderungen an die Klimamodellierung und harrt noch einer besonderen Aufklärung.»
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