Köln erhält eine Grossmoschee
(29. August 2008/fa.) Nach monatelangen Auseinandersetzungen hat nun der Kölner Stadtrat für den Bau einer grossen Moschee entschieden.
Jetzt ist es entschieden. Der Kölner Stadtrat stimmte einer Änderung des Bebauungsplanes zu. Damit ist der Weg zum Bau einer neuen Moschee offen.
Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib), die den Antrag auf Änderung des Bebauungsplans gestellt hatte, will schon im September mit dem Abriss der derzeitigen Gebäude beginnen.
Das Kölner Moscheeprojekt hat allein schon durch seine Dimensionen für Aufsehen gesorgt. Die CDU-Fraktion, die sich dagegen aussprach, begründete ihre Ablehnung damit, dass die geplanten Minarette mit einer Höhe von 55 Metern eine "Machtdemonstration von Ditib" darstellten.
Die Moschee mit Kulturzentrum wird 1200 Menschen Platz bieten. Die aufgefächerte Kuppel erreicht eine Höhe von 36,5 Meter. Der Anteil der Büroflächen und Einzelhandelsräume wurde gegenüber den anfänglichen Plänen um 70 Prozent reduziert. Das zweite und dritte Untergeschoss, in denen ein Versammlungsraum vorgesehen war, sollen entfallen. Ditib rechnet mit knapp einer dreijährigen Bauzeit.
Das seit Jahren geplante Projekt hatte bundesweit Debatten über Moscheebauten und die Integration von Muslimen ausgelöst. Anwohner und die Organisation "Pro Köln" hatten heftige Kritik geübt. Auch der Publizist Ralph Giordano lehnte den Bau ab, hingegen wurde er vom Kölner Kardinal Joachim Meisner befürwortet. Vor der Sitzung des Stadtrats hatten Befürworter und Gegner der Moschee vor dem Rathaus demonstriert.
Der Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Ralph Giordano hält den geplanten Bau für „tief integrationsfeindlich“. Gegenüber „Focus online“ sagt er: „Ich hinterfrage ein 25-Millionen-Euro-Projekt, das von der türkischen Religionsbehörde Dyanet – also einem Organ der türkischen Regierung – finanziert wird, als einen von Hunderten geplanter Sakralbauten dieser Art. Hier wird ein Machtanspruch sichtbar, der mich beunruhigt.“
Giordano betont, er sei kein „Türken-Schreck und kein Antimuslim-Guru“. An der Seite kritischer Muslime habe er vielmehr ein „von feigen Politikern verdrängtes Problem“ in den öffentlichen Diskurs gebracht: Wie können zwei höchst unterschiedliche Kulturkreise – der judäo-christliche und der islamische – unter Wahrung der Demokratie miteinander auskommen? „Das ist die nationale Schicksalsfrage unseres Jahrhunderts.“ Die Auseinandersetzung um Großmoscheen sei dabei allerdings nur eines ihrer Symptome, nicht das Problem selbst.
Die neue Moschee soll aber dem 2010 rund 2000 Gläubigen Platz bieten. Die muslimische Gemeinde verspricht, dass kein Muezzin-Ruf in Ehrenfeld erschallen wird. Die Predigten in dem Gotteshaus sollen zwar weiter auf Türkisch gehalten werden, am Schluss gebe es aber eine deutsche Zusammenfassung.
Die Auseinandersetzung um die Moschee ist mit dem Ja des Stadtrats nicht beendet. Die Gegner meldeten bereits Protest an. Vom 19. September an wollen sie aus ganz Europa nach Köln kommen, um gegen die Moschee zu demonstrieren.
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