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Bruderzwist im Hause Wesley

(03. September 2008/idea) – Von persönlichen Differenzen zwischen den Begründern des Methodismus, John und Charles Wesley, geben die Tagebücher Charles Wesleys Auskunft, die ein englischer Theologe entziffert hat.

Prof. Kenneth Newport von der Liverpooler Hope-Universität ist es gelungen, die extrem personalisierte Kurzschrift zu entschlüsseln, in der Charles Wesley (1707-1788) seine Notizen verfasste. Sie gründet auf einer Lautschrift und besteht aus verkürzten Konsonanten.

Wie die Londoner Zeitung Times berichtet, gelang Newport der Durchbruch, als er eine Passage von Bibelworten in den Tagebüchern mit der damals gebräuchlichen Übersetzung der Heiligen Schrift verglich. Der Zeitung zufolge fand Newport unter anderem heraus, dass Charles Wesley mit grosser Entschlossenheit die geplante Hochzeit seines Bruders John (1703-1791) mit Grace Murray torpediert habe, weil diese unter seinem gesellschaftlichen Niveau sei. Charles machte den Disput auch für eine Fehlgeburt seiner Frau Sally verantwortlich.

Im Übrigen zeigten die Tagebücher, die zwischen 1736 und 1756 verfasst wurden, mit welcher Entschlossenheit Charles dafür gekämpft habe, dass sich die methodistischen Gemeinschaften (Klassen) nicht von der anglikanischen Kirche abspalten sollten. Die Aufzeichnungen stellten Charles ferner als „depressiven Charakter“ dar.

Charles Wesley ist bis heute nicht nur als Prediger, sondern vor allem als Poet und Liederdichter bekannt. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Jesus, Heiland meiner Seele“ und das Osterlied „Christ, der Herr, ist auferstanden“. Er war für seine Herzlichkeit und Wärme bekannt. Sein Bruder John gilt als Kopf und Organisator der methodistischen Bewegung. Der Erweckungsprediger ritt von Ort zu Ort, um das Evangelium zu verkünden. Beide Brüder studierten Theologie. In kleinen Zirkeln trafen sie sich mit anderen Studenten zu Bibelstudium, Gebet und Fasten und engagierten sich für Gefangene und Benachteiligte. Wegen ihres methodisch geführten Gemeinschaftslebens wurden sie als „Methodisten“ verspottet. 1737 hatten beide Brüder kurz nacheinander ein Bekehrungserlebnis.

Heute halten sich weltweit mehr als 60 Millionen Menschen zu methodistischen Gemeinden. In Deutschland hat die Evangelisch-methodistische Kirche rund 60.400 Kirchenmitglieder und Angehörige. In der Schweiz gibt es etwa 8.000 Methodisten, in Österreich 1.500.



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